Montag, 12. Dezember 2016

Trump hat seine Tage

 Trump hasst dieses schmeichellose Kinn-Bild. Bitte nicht teilen!

Heutzutage ist ja auf gar nichts mehr Verlass - bis auf die Unsicherheit. Der Eindruck entsteht zumindest, wenn man es beim Medienkonsum ein bisschen übertrieben hat. Auf allen Kanälen, auf allen Seiten schauen ältere, hellhäutige Herren grämlich Bedrohungen entgegen und kündigen Sicherheitsverschärfungen an. Schon klar, der depperte Terrorismus. Oft denke ich an den weisen Max Goldt: „Kann man sich denn heute nicht mehr ohne Bomben ärgern?“ 
Angst habe ich für meinen Teil nicht. Ich bin aber auch eine Frau. Das einzige, was bei mir explodiert, sind meine Wirtshausausgaben (laufend), ein fallender Joghurtbecher (neulich) und ich selbst nach Kleinigkeiten (höchstens einmal im Monat). Apropos. Wir Frauen kennen dieses Bedürfnis nach Sicherheit, auch an den stärkeren Tagen. Dieses Angegriffensein von ALLEM. Wenn die ansonsten so geliebten Menschen zu fest schauen, zu nah an uns vorbeigehen, zu sehr da sind oder zu weg. Diese Tage, an denen wir weinen wollen, wenn wir uns morgens von unseren armen Haustieren verabschieden. Das Schöne an diesen gefühlsstarken Operettentagen: Sie gehen flugs wieder vorbei. Ist es für uns Damen nicht herrlich, wie uns diese hormonbedingten Stimmungseintrübungen zeigen, dass eine Laune keine objektive Wahrheit ist? Unsere aktuelle Befindlichkeit kein Schicksal? 
Vielen Männern scheint diese sympathische biologische Einladung, sich selbst nicht gar so wichtig zu nehmen, zu fehlen. Darum sind die Doofen unter ihnen durchgehend grantig und ängstlich. Frauen müssen helfen, sonst wird die Welt nicht heil. Sagen wir den saudummen IS-Terroristen etwa, sie sollen sich nicht so aufbudeln. Putin, hast du's nicht eine Nummer kleiner? Erdogan, Hofer, Orban, habt ihr leicht eure Regel? He, Trump, ich kenn' das, scheiß PMS, goi? 
So wird alles gut.

Montag, 9. November 2015

Faschings-Taliban endlich abschieben!

So! Das war's jetzt. Ich schreibe für das Welser keine Kolumne mehr. Bevor ich mich aber zum ersten Opfer der neuen Welser Obrigkeit hochjazze, möchte ich der Wahrheit die Ehre geben: Das habe ich mir selbst zuzuschreiben. Wollte ich mich denn je in Wels integrieren? Ich esse kein Schweinefleisch (die armen Tiere). Ich spreche kein Hochdeutsch (Ostmittelbairisch). Ich stamme aus dem Nordosten (Urfahr) und sehe aus wie von noch weiter drüben (mindestens České Budějovice). Christin im engeren Sinne bin ich auch nicht (Sünden in Gedanken, Worten und Werken). Am schlimmsten wiegt vielleicht, dass ich mich einmal für den Maskenball der SPÖ Wels (Thema "1001 Nacht") als Taliban verkleidet und neben dem neuen Ex-Bürgermeister posiert habe. Davon gibt's Beweisfotos. Aus diesen und noch viel mehr Gründen ist mir Ihre aktuelle Bürgermeisterswahl so nachvollziehbar. Andreas Rabl hatte bei weitem die bessere Frisur! Meiner Abschiebung möchte ich selbst vorauseilen und einfach wieder öfter in Linz ausgehen, ist ja eine sichere Drittstadt. Lassen Sie mich nur ab und zu, wenn ich Sehnsucht habe, das Affenhaus besuchen.

Donnerstag, 13. August 2015

24 Stunden Ärger

Jüngst wehten mich günstige Winde nach New York, da ist die Rückkehr natürlich ein wenig herb – vom Urbanitätsgrad her, zwischenmenschlich komme ich eh gern wieder nach Wels. Was mir "drüben" ins Auge fiel: In den Staaten hat's sehr viele fußkranke Leut. Paradox, zumal eigentlich wir Österreicher die Nachfahren der bei der Völkerwanderung marod hängengebliebenen Hunnen sind. Die Amerikaner scheinen jedenfalls bei der körpereigenen Infrastruktur sparen zu müssen. Verständlich, eine Knieoperation kostet auf Amerikanisch mehr als ein Jeep. Aber unverständlich: Auch die hatscherten Amis sind gegen eine Gesundheitsversicherung! Schon interessant, wie es den Pharmakonzernen gelingt, die kleinen Leute gegen ihre Interessen wählen zu lassen. 
Das ist der Link zu Wels. Auch hier wählt man gegen seine Interessen. Zum Beispiel eine Partei, der wir das Hypofiasko zu verdanken haben, und die jetzt ganz laut schreit, dass das ein Skandal sei, und überhaupt, die Ausländer! Die den minderbemittelten Mietern die Wohnbeihilfe wegnehmen und den Eigenheimschaffern und Grünraumzersiedlern geben möchte. Man könnt sich so ärgern, 24 Stunden, sieben Tage die Woche! Aber in die USA auswandern werde ich nicht, wegen meiner schlechten Knie. Und dem grauslichen Kaffee.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Utopien für Wels: Rare Bären und Beuschlvariationen

Linz war einmal Kulturhauptstadt und hoffte, vom Touristentsunami getroffen zu werden. Ich wollte meinen Beitrag leisten und schickte dem Bürgermeister damals einen lieben Brief mit Ideen, etwa der Anschaffung eines Pandazwillingspärchens. Was soll ich sagen? Meine Utopien wurden verschmäht, Linz blieb Linz. Da ich nun oft in Wels zu Gast bin, soll es meine Tipps bekommen. Gratis!
Erstens: Die Pandas für das Affenhaus. Den Ledererturm schief stellen. Ein Madonnenblutwunder in der Stadtpfarrkirche. Eine bizarre Spezialität erfinden, Pferdelebkuchen oder Beuschlkonfekt. Ein arges Viertel bauen, ähnlich der Pullman-City, in der abends malerische Schießereien fingiert werden: für Hip-Hop-Touristen, denen LA Compton zu fade ist (und nein, nein, dreimal nein: die Noitzmühle ist KEIN Ghetto, hören Sie auf, mir das einzureden). Meine Lieblingsidee: Die Traun über den Stadtplatz umleiten und jeden Freitag ein bombastisches Piraten-Seeschlachtsspektakel abfackeln.
Die Umsetzung kostet natürlich. Sie können aber auch auf meine Utopie pfeifen und selbst draufkommen, dass Wels eine STADT sein könnte, ein befreiender, urbaner Raum voller Potenziale. Die Alternative wären Pandas.

Die Noitzmühle ist kein Ghetto, die Pernau natürlich schon.

Dienstag, 29. April 2014

Ausländer machen dick

Neulich sollte ich im Welser MKH Jugendlichen Gedichte näher bringen. Auf dem Weg zum Workshop kamen wir an einem Plakat der lyrisch übermotivierten Heimatpartei vorbei: "Türkei nicht dabei". Der auf dem Plakat nicht abgebildete Spitzenkandidat ist einst mit seiner poetischen "Negativzuwanderung" hervorgetreten.
Ich begrüße das! Weg mit den Türken! Weil mich das so angeht, dass ich nach dem Biertrinken immer, immer Kebap esse und schön langsam ein bisschen blad werde. Aus ähnlichen Gründen möchte ich eine äh... Positivabwanderung von Chinesen, Italienern, Griechen und Indern. Es sind eh so viele Leute hier! Nie findet man in der Innenstadt einen Parkplatz! Beim Billa muss man sich immer so lange anstellen! Wenn wir schon beim Negativzuwandern sind, möchte ich auch die volksfremden Balkanvölker nach Hause bitten. Überhaupt, die Schwarzen sollen weg. Ich hab' an sich nichts gegen den Pühringer und die Seinen, aber ich brauche Platz zum Spazieren.
Bleiben sollen nur die Slawen, also ich, der Vilimsky und der Strache. 

 Quelle: Pammesberger, Kurier

Mittwoch, 6. November 2013

Männerhandel

Wenn ich an das Thema „Frauenhandel“ denke, könnte ich toben vor aufrichtigem Zorn. Ich fordere Sie auf, es mir nachzutun: Das muss aufhören! Da aber Aggression ein schlechter Motor für das Kolumnenschreiben ist, möchte ich ein paarmal durchschnaufen und dann etwas anstellen, was auch nicht ganz in Ordnung ist: eine satirische Umdrehung der Geschlechterverhältnisse. In diesem Sinne lade ich Sie innig ein, mit mir über die Förderung des Männerhandels nachzudenken. Wir wollen eine gewaltfreie Lösung finden, mit der alle glücklich sind.
Viele Männer können Dinge gut, für die sich Frauen einfach mehr anstrengen müssen (ob das an der Natur oder an der Erziehung liegt, sollen bitte andere entscheiden, ich habe hier nicht mehr so viel Platz). Zum Beispiel: Alkohol vertragen, Vollbärte pflegen, sehr schwere Dinge in Wohnungen tragen, Regale andübeln, kumpelhaft-tröstend auf Schultern hauen und „Wird schon!“ brummen. Dazu kommt, dass weitaus mehr als die Hälfte aller Damen einen Herrn beim Beweis von körperlicher Zuneigung bevorzugen. Gerade bei der Zeugung von jungen Menschlein erweisen sie sich als unschlagbar zweckmäßig.
Warum also nicht ordentliche Institutionen einrichten, in denen sich alle diese Bedürfnisse vermarkten lassen? Da kann es etwa eine Fernsehwohnlandschaft im Angebot geben, in der ein gepflegter Herr seine Dienste als Heulschulter und Fußwärmer anbietet. Männer, die sich ohne Murren „Titanic“ oder „Sissi“ anschauen können, sollen aus dieser Fähigkeit ruhig Kapital schlagen. Dübelservice, Biertrink-Escort, Brutpflege – das ist doch in unserer marktkonformen Demokratie alles denkbar, oder? Meinetwegen könnte auch das Schreiben von Kolumnen übernommen werden – aber das ist keine Satire mehr, sondern Utopie.

Freitag, 18. Oktober 2013

Don't drink and drive me crazy

Neulich war ich in China, dort hatte ich konkrete Erlebnisse mit der Überbevölkerung. Seitdem lache ich nicht mehr über Stronach, der Chinesen-Einmärsche fürchtet. Sie sind so unglaublich viele! Vielleicht hat mich einfach der Kontrast zur Welser Innenstadt fertig gemacht. Wer da Zeit zu verbringen hat, dem steigt schnell die Einsamkeit ins Herz. Sie kennen das Bild mit der Neutronenbombe – Mensch geht, Haus steht. Daran muss ich am Stadtplatz oft denken.
Nur an manchen Tagen gibt's hier chinesische Verhältnisse, wenn nämlich die Bevölkerung öffentlich und flächendeckend alkoholisiert werden soll. Beim Public Viewing etwa, oder bei Adventmärkten. Punsch und Bier, die sozialen Schmiermittel, nehmen die Angst. Aber wovor? Leiden die WelserInnen an kollektiver Agoraphobie?
Oder hat ihnen nie jemand gesagt, dass der öffentliche Raum ihnen gehört? Mach' ich gern: Die Stadt gehört euch! Weil ich schon dabei bin: Nichts gegen das Saufen. Öffentlich gelebte Nüchternheit ist aber auch super, vor allem, wenn einen abseits der geschützten Umgebung des Wirtshaustisches ein politischer Mitteilungsdrang überkommt. Wenn wir da weiter so dumm tun, kommt uns der Chines'!

 Eine Geschichte voller Missverständnisse: Wels und seine Beziehung zu größeren Städten. Abgebildet: "Wels grüßt Wien"

Mittwoch, 26. Juni 2013

Wer spinnt hier?!

Neulich ist meine Nachbarin verrückt geworden. Sie steht nun in ihrer Wohnung und schimpft aus vollem Hals mit imaginären Menschen. Ein anderer Nachbar hat mich jüngst gebeten, ihm nicht mehr dauernd die Waschmaschine zu stehlen. Vor ein paar Wochen hat eine Frau an meine Autoscheibe geklopft, ihre Lippen durch den offenen Spalt gesteckt und inbrünstig "I bin Mühviatlarin!" genuschelt. Und dann war da noch der junge Mann, der mich für sein UFO-Forschungsteam gewinnen wollte...
Mich dünkt, dass diese mentalen Ausritte aus dem gesellschaftlichen Konstrukt „Normalität“ bzw. „geistige Gesundheit“ in meiner näheren Umgebung jetzt zunehmen. Über den Grund kann ich nur spekulieren, ich bin ja keine Spinn-Doktorin. Schlimm finde ich das Verrücktwerden aber nicht, angesichts des Bösen in der Welt sogar verständlich. Dass der ORF den Bachmann-Preis wegsparen will, macht mich auch verrückt. Wer weiß, was ich dem Herrn Generaldirektor alles in seine Wohnung oder sein Auto hineinbrüllen würde. Närrisch finde ich auch die Psychose, dass Homosexuelle die Gesellschaft vom Kinderkriegen abhielten. Und dass ein Staat weltweit private Emails liest und meint, „Wer nichts zu verbergen hat, muss auch nichts fürchten!“, selbst aber Aufdecker mit Pomp und Getöse verfolgt, das kommt mir schon recht geisteskrank vor. Muss mal den Psychiater meines Vertrauens fragen, ob man Präsidenten einweisen lassen kann, oder zumindest ORF-Programmdirektoren.
Doch wenn ich es recht bedenke – ich lasse das lieber. Ich sitze ja selbst in meiner Wohnung und schimpfe für imaginäre Leute. Mühlviertlerin bin ich außerdem... Jetzt habe ich Angst! Vielleicht mache ich die Leute verrückt? Dann vergessen Sie bitte schnell alles, was Sie soeben gelesen haben.

Dienstag, 16. April 2013

Über Ironie und Diktatur

Ob ich denn nie ernst sein könne, hat man mich jüngst gefragt. Wollen schon, aber können nicht. Denn wie ließen sich die Zumutungen der Realität anders ertragen als durch ironisch-seitliches dran Vorbeigehen? Erst neulich etwa hörte ich, dass Maria Fekter fürchte, es würden Ausländer diskriminiert. Sie sah nicht Flüchtlinge in Gefahr, sondern das arme Bankgeheimnis. Oder, von noch weiter rechts: 25 junge Ayslwerber dürfen keine Lehre machen, sonst explodiere die Jugendarbeitslosigkeit. Darum frage ich: Wie soll ich mich denn anders gegen Derlei wehren als mit Gelächter? Der Humor ist doch das Öl, mit dem sich der Ringer im Kampf gegen das Böse unangreifbar macht. Sinnvolleres, als dem Leben Hofnärrin zu sein, ist mir beruflich bislang noch nicht eingefallen.
Andererseits bringt man so nicht viel weiter bei der Weltrettung. Ich hege Pläne. Wären Sie dabei, wenn ich eine gemäßigte Diktatur einführte, noch viel besser als alles, was uns der Stronach so vorfaselt? Keine Sorge, auf Gewalt würde ich weitgehend verzichten und Felix Baumgartner nie in meine Regierung lassen. Aber erstens dürfte Frau Fekter zurück in ihr Schotterwerk. In den Geschäften bekäme man zweitens nichts mehr zu kaufen, das die eigene Oma nicht als Speise identifizieren könnte. Pferdefleisch von mir aus, Tiefkühllasagne nicht. Drittens dürfte man in meinem Bankensektor nur noch mit Spekulationen spekulieren, quasi ein internes Monopoly für Banker, aber mit nichts Realem mehr. Wer etwa mit Weizen oder Wohnungen dumm herumzockt, bekäme von mir, der Diktatorin mit Herz, persönlich mit der Fliegenklatsche eins auf die Finger. Viertens würde ich eine staatliche Agentur erschaffen, die mir pfiffige Schlusssätze für meine Kolumnen schrübe.

Donnerstag, 28. März 2013

Wels ist nicht tot, es riecht nur komisch

Wels schlecht finden ist so wie Schönwetter gut finden: weit verbreitet. Neulich hat sich sogar Die Zeit hinreißen lassen, die Messestadt zu bashen. Ganz niederträchtig, nämlich auf der Kinderseite, wo Minderjährige vorgegebene Formulare ausfüllen dürfen. Bei der Frage "Was macht dich traurig?" ließ man eine Achtjährige hinkritzeln: "dass unser Wels tot ist." Muss das sein?
Ist das wegen Wagner? Gut, von der politisch unzuverlässigen Werktreue, mit der man den hier inszeniert, bekommt man einen pelzigen Mund. Als konstruktiver Mensch möchte ich vorschlagen: Arbeitet mit diesem schlechten Ruf! Wenn Linz – laut Spiegel – das langweiligste Ghetto der Welt ist ("Chemie, Langeweile, Drogen"), kann Wels das locker toppen, zum Beispiel mit einer Neuinszenierung des Rings der Nibelungen durch Ramstein oder einer Hip-Hop-Version der "Meistersinger von Nürnberg", nämlich: "Der Battle Rap von der Noitzmühle", performt vom Hans-Sachs-Chor. Bitte sehr, nichts zu danken.

Freitag, 11. Januar 2013

Kinder an die Waffen!

Bitte, ich möchte auch noch was zum Heer sagen! Obwohl Ihnen das bestimmt schon zu Hals, Nasen, Ohren heraushängt. Aber hier besteht keine Lesepflicht, Sie können sofort aufhören. Außerdem denken Christen in anderen Zeitspannen, da sind 2000 Jahre alte Debatten auch noch relevant.
Hier bitte meine Idee zur Armeereform und Weltrettung. Erstens: Krieg ist schlecht. Zweitens: Kinder brauchen Waffen. Auch Mädchen! Zur Erläuterung biete ich mich gerne als Beispiel an: Im vorhergehenden Jahrtausend war ich das kriegslüsternste Kind zwischen Texas und Kabul. Heute bin ich Friedensfetischistin. Ich streite nicht einmal mehr im Wirtshaus, wenn Daumen, Haare und Fliegen in der Suppe sind.
Achten Sie in der Pädagogik unbedingt auf rechtzeitiges Abrüsten! Noch vor der Pubertät, in der Kinder tatsächlich schon Schaden anrichten können. Dann muss ganz und gar Schluss sein mit dem Kriegsunsinn, also auch in Computern, Kinos, Köpfen, Kasernen. So.
Wer bis hierher gelesen hat, soll zum Schluss mit einer nichtfiktiven Schnurre belohnt werden: Ein Bekannter musste Assistenzeinsatz an der ungarischen Grenze leisten. Eines Nachts griff man acht verschreckte Flüchtlinge auf. Der Bekannte schwamm innerlich in Mitleid. Die Asylwerber wurden in die Kaserne gebracht. Als sie dort erneut gezählt wurden, hatten sie sich wundersam vermehrt. Der Neuzugang stand leicht schwankend da. Es gab große Verständigungsschwierigkeiten, da er – anders als die ersten acht – des Englischen, nein: des Sprechens nicht mächtig war. Es dauerte, bis sich das Rätsel entzauberte: Ein Burgenländer hatte sich in einen Vollrausch und sein Auto in den Graben versetzt, dabei war er unter die Flüchtlinge geraten.
Sagen Sie, was Sie wollen, ich finde die Geschichte schön.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Lockert die Rücktrittsbremsen!


Politikerschimpf als Kolumneneinstieg? Das ist neuerdings besonders riskant. Schnell fliegen die Eulen nach Athen und schnell ist das Leservolk vergrämt. Auch meine Augen wollen nach oben rollen, höre ich nur das Wort „Kärnten“ oder gar „Inserat“. Ich kann nur hoffen, dass Sie langmütiger sind als ich selbst. Die kommenden paar Absätze möchte ich nämlich ein wenig räsonnieren über die da oben und uns hier unten.
Stichwort Rücktrittskultur. Es scheint, dass uns kleinen Leuten auf der Straße (bzw. mir hier in der Schreibstube) die politische Mitbestimmung entgleitet. Wie ungemein wohltuend ist es da, durch gemeinsame Empörung einen der schlimmen Finger da oben zu einem schönen, demütigen Rücktritt zu bringen! Die Fantasie flattert und zaubert mir folgende Idee in den Kopf: Wie beim Eishockey könnte doch der Bundespräsident die Macht bekommen, Mitspieler der Legislative zu Strafminuten auf der Hinterbank zu verdonnern. Ein dummer Spruch über echte und falsche Kärntner? Der Schiri pfeift sogleich, brummend muss sich der Faulspieler trollen. Beschämt soll er harren, bis er wieder zurück ins Spiel darf.
Und weil das Private das Politische ist, bin ich stark für eine Ausweitung der Rücktrittskultur. Die Diskontindustrie möchte ich zum Beispiel vehement zum Rücktritt aus der Brotbranche aufrufen: Hört auf, ihr könnt das nicht! Euer „Brot“ ist eine ungeheuerliche Entgleisung. Oder Passanten auf dem Radweg: zurücktreten bitte! Für den Installateur, der mir durch seinen Thermenpfusch drei kalte Winter beschert hat: Misstrauensantrag und Rücktritt!
So, und jetzt trete ich auch ein wenig zurück, zumindest bis zum nächsten Mal. Nur zur Sicherheit, denn vielleicht fanden Sie meine Ausführungen ja einfältig.

Montag, 2. Juli 2012

Keine Angst vor China!


Unser Deutschlehrer, eigentlich ein gutmütiger Mensch, geriet einst mitten in der Stunde in Panik. „Ich fürchte die Chinesen!“ rief er laut und ließ uns, die wir über unsere Hefte gebeugt waren, hochschrecken. „Ja schaut nur! Jetzt haltet ihr mich für wahnsinnig, aber ich weiß es: Die Chinesen kommen!“ Ich war betroffen.
 
Allerdings nicht inhaltlich: Mir konnte er damals schon mit seinem „Jeder fünfte Mensch kommt als Chinese zur Welt!“ keine Panik machen. Zumal ich der fünfte Mensch in meiner Familie bin. Und tatsächlich im Gegensatz zum Familienrest ganz schmale Augen habe und Backenknochen so breit wie die Wüste Gobi; im Sommer werde ich nicht braun, sondern rotgelb. Ein befreundeter Hobbyethnologe meint, es sei wohl einst ein Hunne nicht spurlos an einer Ahnin vorbeigeritten. Das habe einige Generationen übersprungen und mendle sich bei mir jetzt heraus.
Ich habe keine Angst vor den Chinesen, und Sie sollten es auch nicht haben. Weil warum? Erstens wird es den autochthonen Chinesen hoffentlich bald zu blöd, sich von diesen turbokapitalistisch agierenden Pseudo-Kommunisten weiter derart gängeln zu lassen. Bald essen sie Pommes mit Majo, statt Kommunismus mit Mao zu lesen. Zweitens wäre endlich mit dem ätzenden Rassismus und Antisemitismus aufgeräumt, wenn wir alle pro forma Chinesen würden. Drittens: Erinnern Sie sich an Hallstatt! Das wurde ja soeben per Copy&Paste-Verfahren in der Provinz Guangdong verdoppelt. So werden die Perlen unserer Kultur konserviert. Bravo!
Übrigens wäre ich den Chinesen überhaupt nicht gram, kämen sie auf die Idee, mich millimetergenau auszumessen, zu klonen und meine Kopie als erste, demokratisch gewählte Präsidentin der demokratischen Republik China einzusetzen.

Samstag, 3. März 2012

Meine Ideen zur Weltrettung

Es wird hoffentlich aufgefallen sein, dass ich hier gerne Vorschläge zur Weltrettung präsentiere. Heute im Angebot: die Aussöhnung der Generationen plus Verhinderung der Finanzapokalypse, und zwar durch familiäre Umverteilung. Klingt einfach, ist es auch. Vorausgesetzt, man verfügt über Elternteile. Vorausgesetzt, diese verfügen über Vermögen.
 
Die Aufbaugeneration hat Geld, die Aufbrauchgeneration Präsenz. Gute Ahnen wissen diese zu schätzen, gute Kinder die Besuche mit Freundlichkeit zu würzen. Zudem mahnen führende Wirtschaftsexperten, das Geld nicht unnötig zu horten, sondern die Kröten wieder in die unfreie Wildbahn zu entlassen. Sonst geht’s dem armen Kapitalismus bald nicht mehr gut.

So stelle ich mir das konkret vor: Da sich Leistung heute nicht mehr lohnt und Jungakademiker in der Arbeitswelt ohnehin nur noch gedemütigt werden, sollen Eltern einfach ein Leben lang für ihre Kinder sorgen.

Ein schrecklicher Gedanke? Aber woher denn! Meine eigenen Eltern haben sich jahrzehntelang von Luster zu Luster geschwungen, um die Teppiche zu schonen und mir so das Philosophiestudium zu finanzieren. Dafür besuche ich sie heute noch oft und gern, ich streichle ihren Hund, leere gewissenhaft ihren Kühlschrank und lobe die schönen Perser. Freilich nervt das die Altvorderen, zugleich fühlen sie sich immer noch jung, weil gebraucht. Statt in der Pension auf der Couch zu verlottern, müssen sie einkaufen und sich über faule Nachkommen ärgern. Gefühle sind wichtig, auch wenn's die falschen sind! Und ich verpritschle mein Erbe heute schon, aus Solidarität mit jenen, die einmal nichts bekommen werden.

Was die Eltern von meinen Plänen halten? Ach, Sie wissen ja: Im eigenen Zuhause gilt die Prophetin am wenigsten.

Dienstag, 10. Januar 2012

Schimpfagenturen gegen die Unwürde

Ich sag’s ja nur ungern, aber die Ungarn (halten Sie kurz inne, das war ein Wortspiel) haben einen Pascher. Antisemitische Politiker, Strafarbeit für Roma, kaputtgesparte Bibliotheken und ständig Flachsen im Gulasch. Gefördert wird nur noch, wer das rassigste Pusztapferdchen oder den kühnsten Grafen Andrászy malt. Unschön!
 
Apropos unschön: Rating Agenturen. Eine kleine handvoll Unternehmen, die gewinnorientiert über das Wohl und Wehe ganzer Staaten entscheiden und uns Wirtschaft und Währung ruinieren. Schon im Namen schwingen das englische „to berate“ („beschimpfen“) als auch die Ratten mit. Wobei die armen Nager das gar nicht verdienen. Laut neuesten Studien sind die Tauben der Erde nämlich fähig zu Einfühlungsvermögen und Zusammenhalt.

Trübes Brüten und Grübeln über üble Unternehmen haben mich aber auf eine Idee gebracht. Warum nicht eine eigene Agentur gründen – und zwar eine richtige Schimpfagentur? Mein Urteil erginge nicht über Kreditwürdigkeit, sondern den Grad der UN-Würdigkeit. Das könnte dann ungefähr so ausfallen: DJ Ötzi? BB+. Viktor Orbáns Verfassungswahn? DDD. Kim Jong Ills Blousons? Null Bonität. Die Idee, Strache mit einer fliegenden Wurstsemmel zu schmähen? Ramschniveau!

Bewerfen soll man demokratiefeindliche Demagogen mit vielem. Aber warum in Zeiten galoppierender Rohstoffpreise Nahrungsmittel verschwenden? Wenn, dann bitte zumindest vegetarische. Und überhaupt – wo es doch so blumige Schimpfwörter gibt! Oder alte, nasse Teebeutel: Man stelle sich vor, sie träfen die Populistenstirn zuhauf, blieben kleben mit einem satten Klatschen. Dieses Bild schenke ich allen, die bis zum Schluss gelesen haben. Wenn sie auch noch zustimmend „Super Kolumne!“ denken, verleihe ich ihnen eine AAA+.

Donnerstag, 22. September 2011

Wir armen Reichen!

Maria Fekter und ich haben Sorgen. Feindbilder quellen derzeit wie Pickel auf Pubertierenden. Die europäische Klassengemeinschaft ist in Gefahr. Lassen Sie mich die mahnenden Worte Fekters zitieren, die ja quasi unser Klassenvorstand ist: "Außerdem bauen wir gerade enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken, die Reichen und die Vermögenden auf. So etwas hatten wir schon einmal, verbrämt gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zweimal in einem Krieg geendet."
 
Arg, nicht?! Ich habe Angst und fühle mich verfolgt. Sie können sich nicht vorstellen, wie ich angezischt werde, wenn ich meinen SUV vor dem Stammbeisl einzuparken versuche. Einen Pelzmantel wage ich gar nicht zu tragen! Bald kommt einer vom Pöbel daher und pickt mir ein gelbes Zetterl mit „Reiche Sau“ drauf. Dabei spende ich gerne, armen Freunden ein Bier zum Beispiel. Und die Trauben für meinen Champagner sind fair gehandelt.

Sie werden sich fragen, wann ich den Aufstieg in die gehobene Mittelklasse geschafft habe. Nun, ich bin durch das eifrige Verfassen von Kolumnen und die Rückgabe aller meiner Pfandflaschen zu leichtem Wohlstand gekommen. Also nicht direkt durch diese Tätigkeiten, sondern durch die Veranlagung in einem Hedgefonds, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls lasse ich jetzt mein Geld arbeiten und mache so einen Arbeitsplatz frei.

Wird mir das als Altruismus angerechnet? Nein! Stattdessen werden wir Leistungsträger diffamiert, dass einem schiach wird. Bitte da macht auch die Bibel keine Ausnahme – Menschen mit einem Tier (die Sache mit dem Kamel im Nadelöhr) zu vergleichen, ist der Anfang von allem Übel. Da muss sich auch die Kirche fragen, ob sie nicht zum Aufbau von Feindbildern beiträgt!

Dienstag, 28. Juni 2011

Wie ich das Jugendproblem zu lösen gedenke

Der junge Mensch ist heute offenbar viel zu lasch, seinen revoltierenden Part im natürlichen Kampf der Generationen zu spielen. Die Älteren leiden darunter, da sie sich nicht mehr artgerecht über die Jugend von heutzutage echauffieren können. In ihnen lodern folglich überschüssige Gefühle, die Gattin oder Dackel ausbaden müssen. Die schädliche Artigkeit der Jungen sei eine Folge der Verhausschweinung des Menschen, befinden Soziologen. PlayStation und Wii wirkten dabei als Domestikationsmittel.
Naja, ich kann das so nicht bestätigen, und ich habe in meiner Kindheit viel Tetris gespielt. Ich bin zwar auch nicht mehr jung, aber in mir rumort es noch 24 Stunden am Tag! Erst jüngst habe einem Kellner in klaren Worten Bescheid gesagt, dass der Spargel schon ein bisschen holzig gewesen sei. Ständig arbeite ich am Umsturz der Verhältnisse. Zum Beispiel gegen die Öko-Diktatur. Zum Teufel mit der Mülltrennung, ich bin gegen diese materielle Apartheid! Bei mir dürfen weißes und buntes Glas miteinander liegen.
Gut, ich sollte ehrlich sein. Es rebelliert in mir eigentlich nur noch ca. acht Stunden am Tag. Vierzig Stunden in der Woche. Wer 33 Herbste zählt, muss auf seine Ressourcen achten. Jesus war in meinem Alter schon tot. Das möchte ich der Jugend gerne auf den Lebensweg mitgeben: Verschwendet euch nicht frühzeitig!
Wofür wollen die Jungen heute überhaupt kämpfen? Arbeit? Lohnt sich doch nicht. Sie könnten aber meinetwegen AMS-Berater werden und das System von innen heraus vernichten, indem sie Vegetarier in die Schlachthöfe vermitteln. Oder Menschen mit Matura zur FPÖ. Oder mich in den Nationalrat. Dort wäre ich zur Innenministerin so höflich, dass sie ihr unverbrauchter Groll mürbe und menschlich macht.

Dienstag, 31. Mai 2011

In Echt ist keine Frau dick

In Wahrheit sei es doch so, sagt Franz, dass nichts real sei. Da könne man in der Fiktion doch ruhig ein bisschen schwindeln. „Wirklich?“, frage ich. Ja schon, denn im Virtuellen sei das Echte fiktional, sagt Franz. Der Weise wisse, dass ein authentisches Leben in Realität eine Vielzahl an Narrationen sei. „Herrjeh, du bist mir irgendwie keine Hilfe“, seufze ich und trinke aus.

Wir schweigen lang genug, um das Thema wechseln zu können. „Ich muss weniger Bier trinken, ich gerate aus den Fugen“, sage ich, meinen Bauch in Händen. Da sei ich wahrhaftig der nächsten verschleiernden Erzählung auf den Leim gegangen, ich litte in Echt unter Dysmorphophobie. „Soso, aha“, brumme ich. Das sei die wahnhafte Überzeugung, körperlich defekt und ästhetisch deviant zu sein, sagt Franz. Realistisch betrachtet oktroyiere die kapitalistische Verwertungslogik den Damen, sie seien zu feist – und zwar alle. „Ich bin erleichtert, dass ich objektiv betrachtet tipptopp aussehe“, antworte ich und mache mir den Knopf der letzten Hose auf, die mir noch passt.

In der Zwischenzeit haben zwei neue Biere unseren Tisch und unsere Schlünde erreicht. Von außen gesehen sei es ein Akt des Widerstandes gegen das Schweinesystem, sich zu berauschen, sagt Franz nach einer Pause. „Das habe ich irgendwo schon einmal gehört“, meine ich. Nein, in Wahrheit seien wir ja schon so gleichgeschaltet, dass wir untertags willenlose Rädchen in der großen Maschine seien und abends unsere Rest-Resistenz durch televisionäre Konsumation kulturimperialistischer fiktionaler Machwerke im Keim erstickt würde. „Ja eh“, ächze ich, denn Franz kommt beim dritten Bier stets auf diese Ansicht.

Was ich denn jetzt wirklich für die „Streifzüge“ schreiben wolle, sagt Franz schließlich. „Keine Ahnung, ich denk’ mir irgendwas aus“, sage ich und Franz sagt: „Echt?“

Donnerstag, 7. April 2011

Sicherheit – auch an den stärkeren Tagen

Immer wenn sie mir entgegenkommen, sticht’s in meinem Herzen. In Linz werden sie ungern geduldet, in ihren roten Uniformimitaten und in ihrem sehr festen Schuhwerk. Und so kommt es, dass sich die neuen Stadtwachen mit misstrauischem Blick und nur zu zweit durch die Stadt wagen. Nachvollziehbar. Da schaut ein Migrant aufsässig, dort zischt ein Gutmensch, hier lässt ein Kleinkind das Eisstanitzel auf den Boden fallen. Dabei sieht es eh schon so aus in Linz! Wissen denn die Menschen nicht, dass Unordnung auch das Ende der Sicherheit bedeutet? Heute ist es nur Speiseeis, aber morgen fallen vielleicht schon die Werte des Abendlandes zu Boden!

Ich, die ich immer schon auf der Seite der Schwachen und Missachteten stand, halte den Sicherheitswächtern zu. Die anderen Passantinnen sollen sehen, dass das Menschen mit gutem Willen sind. Oft und bewusst wende ich mich mit Anliegen an sie. Etwa wenn allzu kurze Lederhosen und offene Dirndlblusen meine ästhetischen Gefühle schmähen. Oder wenn Menschen, die in Naturkatastrophen Gottes Strafe sehen, meine religiösen Gefühle verletzen.

Nachdem der Sicherheitsdienst eine Erfindung jener ist, die sich mit Volksverunsicherung auskennen, wähne ich mich hier an der richtigen Adresse. Doch ich scheine zu irren. „Verzeihung, darf ich ein Stück des Weges mitgehen? Ich fühle mich heute besonders unsicher“, fragte ich jüngst ein Ordnungspaar. „Wohin wollen Sie denn?“ „Nur nicht alleine sein in diesen Zeiten! Ich weiß, dass wir unsere innere Sicherheit unrettbar verloren haben, aber im Lichte ihres Eifers sucht es sich zumindest leichter!“ rief ich noch, aber da waren mir die Rotjacken schon eilenden Fußes entwichen.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Prämien statt Tsunami

Das Kirchenvolk wandert ab. Man spricht von einer Austrittswelle, aber es wäre die Rede von einem Austritts-Tsunami auch nicht übertrieben. Wäre ich Kardinal Schönborns PR-Beraterin, hätte ich ihm empfohlen, den Vergleich mit den Austritten zu NS-Zeiten nicht selbst zu bringen, sondern das den geifernden Medien zu überlassen.

Mich beunruhigt dieses Scheiden der Lämmer. Ja wirklich! Vielleicht, weil ich ein nostalgisches Gemüt habe. Darum will ich jetzt so tun, als sei ich des Kardinals Richelieu.
Der katholische Mitgliederschwund ließe sich meines Erachtens durch zwei sehr einfache Taktiken stoppen. Erstens muss sich die Kirche wieder mehr auf ihre Unique Selling Proposition konzentrieren. Was macht das Unternehmen Jesus einzigartig? Das Heilsversprechen! Hoffnung wird nie unmodern.

Zweitens: Der postmoderne Mensch ist leider gieriger geworden. Als ich einst bei einer Zeitung arbeitete, kündigten etliche langjährige Abonnenten. Weniger weil sie unzufrieden waren, sondern weil sie keine Geschenke für ihre Treue bekommen hatten. „Das ist so was von ungerecht!“ riefen sie mit vor Ungerechtigkeit bibberndem Kinn ins Telefon. „Die neuen Abonnenten bekommen die Vignette und ich schaue durch die Finger!“ Kundenbindung lautet das Stichwort. Zudem hapert es seit dem Ende der Missionierung bei der Anwerbung neuer Mitglieder. Wie wär’s mit einer Prämie? Beim Alpenverein bekomme ich dafür drei tolle Wanderkarten.

Warum also nicht neuen Mitgliedern eine schöne Urkunde mit der christlichen Erlösungslehre überreichen, Anwerbern einen Hotelgutschein als Domeremit, langjährigen Kirchgängern eine handgeschnitzte Marienstatue? Und ungefragten Ratgeberinnen eine kleine Aufwandsentschädigung und das Seelenheil?