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Donnerstag, 22. September 2011

Wir armen Reichen!

Maria Fekter und ich haben Sorgen. Feindbilder quellen derzeit wie Pickel auf Pubertierenden. Die europäische Klassengemeinschaft ist in Gefahr. Lassen Sie mich die mahnenden Worte Fekters zitieren, die ja quasi unser Klassenvorstand ist: "Außerdem bauen wir gerade enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken, die Reichen und die Vermögenden auf. So etwas hatten wir schon einmal, verbrämt gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zweimal in einem Krieg geendet."
 
Arg, nicht?! Ich habe Angst und fühle mich verfolgt. Sie können sich nicht vorstellen, wie ich angezischt werde, wenn ich meinen SUV vor dem Stammbeisl einzuparken versuche. Einen Pelzmantel wage ich gar nicht zu tragen! Bald kommt einer vom Pöbel daher und pickt mir ein gelbes Zetterl mit „Reiche Sau“ drauf. Dabei spende ich gerne, armen Freunden ein Bier zum Beispiel. Und die Trauben für meinen Champagner sind fair gehandelt.

Sie werden sich fragen, wann ich den Aufstieg in die gehobene Mittelklasse geschafft habe. Nun, ich bin durch das eifrige Verfassen von Kolumnen und die Rückgabe aller meiner Pfandflaschen zu leichtem Wohlstand gekommen. Also nicht direkt durch diese Tätigkeiten, sondern durch die Veranlagung in einem Hedgefonds, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls lasse ich jetzt mein Geld arbeiten und mache so einen Arbeitsplatz frei.

Wird mir das als Altruismus angerechnet? Nein! Stattdessen werden wir Leistungsträger diffamiert, dass einem schiach wird. Bitte da macht auch die Bibel keine Ausnahme – Menschen mit einem Tier (die Sache mit dem Kamel im Nadelöhr) zu vergleichen, ist der Anfang von allem Übel. Da muss sich auch die Kirche fragen, ob sie nicht zum Aufbau von Feindbildern beiträgt!

Donnerstag, 15. April 2010

Leistungsscheues Kittelvolk

Bei Einsteins Relativitätstheorie geht’s irgendwie um Raum und Zeit. Wie 94,3 Prozent der Restwelt habe ich keine Ahnung, ich möchte trotzdem vorschlagen, in die Gleichung den Faktor Arbeit einzusetzen. Nicht die physikalische, denn dann könnte ich dem Finanzamt „W = F . s“ als Einkunftsquelle angeben. Man hielte mich für eine ordentliche Schelmin.

Es geht aber um die rätselhafte Welt der Erwerbsarbeit. Was die wert ist, bestimmen wunderliche Menschen und Kriterien. Ich steige da nicht ganz durch. Hängt das vom Längengrad, von der Witterung, vom Koeffizienten der Ohrläppchengröße und der Nasenwurzellänge des Arbeitgebers ab? Nichts Genaueres weiß man nicht!

Erste Ergebnisse meiner Forschungen deuten darauf hin, dass ein Y-Chromosom den Wert der Arbeit steigert. Anders ist es nicht zu erklären, warum eine Frau für die gleiche Leistung weniger bekommt als ein Mann. Möglicherweise bewirkt die Genetik auch, dass die meisten Frauen bevorzugt gesellschaftlich völlig unwichtige Tätigkeiten verrichten, wie etwa Kindererziehung oder Alten- und Krankenpflege. Viele verweigern sich der Leistungsträgerschaft in Form von Spekulationsgeschäften und Rüstungsexport. Dabei bilden diese Berufe doch das Rückgrat unserer Gesellschaft.

So betrachtet ist es würdig und recht, wenn im oö. Herzblatt ein Wirtschaftsjournalist, dem die Gattin Kinder und Haus betreut, das Kittelvolk durch die Blume der Leistungsunwilligkeit zeiht. Sollen sie doch überhaupt zuhause bleiben, das senkt die Arbeitslosenquote!
Ich werde das jetzt so machen. Das Kolumnenschreiben ist auch nicht gut für den Teint. Ich könnte mich ja vom Arbeitsmarkt wegheiraten lassen und zuhause mit der Brennnesselsuppe auf meinen Brotherrn warten. Angebote bitte in den Kommentarteil.

Dienstag, 7. Juli 2009

Die Apokalypse aus der Hängematte

Glaubt man Leistungsträgern, droht der Welt durch die Einführung der Grundsicherung mindestens der Untergang, wenn nicht Schlimmeres. Am Ende stürben wir aus, wie die Pandas, die zu faul für alles sind. Was den Menschen vom Faultier unterscheide, sei die Leistungswilligkeit. Stopfe ihm Vater Staat – ein notorisch schlechter Manager – das Geld hinten und vorne hinein, verfalle er doch sofort in eine freizeitorientierte Schonhaltung.

Schade, läge es sich in der sozialen Hängematte nicht nur sommers so fein. Doch den Leaders und Chefs wollen wir glauben, denn sie sind gewiss ehrenwerte Männer. „Die würden keine Anreize mehr haben!“ flehen die Unternehmensberater, bevor sie mit ihrem SUV zum Wochenendhaus jetten, das sie sich damit finanziert haben, dass sie Firmen dabei geholfen haben, Personal freizusetzen.

So verbietet die Angst vor Staatsbankrott und Apokalypse die Einführung der Existenzsicherung. Gut so, denn der Gang zu Sozialamt und AMS fördert das Survival of the Fittest. Die Unterschichten würden doch außerdem das ganze schöne Geld, das leistungswillige Steuerzahler erwirtschaftet haben, in Socken und unter Matratzen stopfen. Wer soll dann noch einkaufen und die Konjunktur hochjazzen?

Nehmen Sie die Mutter dieser Zeilen als abschreckendes Beispiel. Sobald ich 1750 Zeichen in die Tasten geklopft habe, lasse ich die Wirtschaft verkümmern und lege mich in eine Hängematte. Anstatt weiterzuwerken und mir einen Flusenrasierer, einen Flachbrustfernseher oder die siebten Paar Pradastieferl zu kaufen. Mit einer Grundsicherung würde ich gar nichts mehr tun, möglicherweise nicht einmal noch Kolumnen schreiben. Ob das ein Fluch oder ein Segen wäre, darüber dürfen Sie nun still für sich entscheiden.

Montag, 5. Januar 2009

Jetzt ist Schluss mit Lustig!

Vom Ende der Jugend-Tyrannei

Die Nicht-Hacklerregelung als Erlösung für Prekariat und Wirtschaft

Sie müssen jetzt ganz stark sein: Es ist vorbei. Jaja, das Jahr auch. Doch nicht nur 2008 legt sich auf den Elefantenfriedhof zum Sterben, sondern auch die Domin(ik)a, mein alt gewordenes Ego.
Weil, es ist Folgendes: Nach einem Jahr nervenaufreibenden Kolumnierens und Dominierens ist Schluss. Die Strenge hat mich müde gemacht. Graue Haare entsprossen meinem Haupt und haben mich für die Zielgruppe „Junge Menschen mit Brüsten“ disqualifiziert. Wenn die Zeit gekommen ist, muss frau loslassen können und Jüngeren ihren Platz einräumen. Ich wechsle vom Prekariat volley in die Frühpension.

Das ist - ganz nebenbei bemerkt - mein Problemlösungsangebot für die globale Wirtschaftsmalaise. Schickt die Generation 700 Euro doch einfach ins Ausgedinge. Dann ist Ruhe und die überqualifizierten und unterbezahlten Jungakademiker müssen keine Molotow-Cocktails mehr werfen.

Freilich habe ich schon in der Sandkiste vom Peitschenknallen geträumt. Da ich der Verschriftlichung meiner Machtgelüste noch nicht mächtig war, herrschte ich bis zum Erwerb des ABCs mit physischer Gewalt über das Kindergartenvolk. Soviel ganz nebenbei weg zum friedensstiftenden Segen der Literatur.

Fürderhin konzentriere ich mich wieder verstärkt auf meine Kernkompetenzen. Aus dem Fenster schauen, Kaffee trinken, Hund streicheln, auf die Einführung der Grundsicherung warten.

Am Ende folge ich damit auch noch neuesten Medien- und Klimarettungs-Trends: Für meinen Predigtdienst im Internet müssen Sie in Zukunft nichts (in Worten: 0,- Euro) bezahlen! Für meine Worte darf kein Baum mehr sterben!

Sonntag, 16. November 2008

Bestrickende Lösungen im faulen System

Wie Alte und Junge die Welt zurechtbasteln können

Laut Meinungselite sind wir bald mehr oder weniger arbeitslos. Das trifft Menschen mit echter Arbeit sicher schlimm. Denken wir aber auch an die Pensionisten und jene jungen Menschen, die sich ihre Arbeitsunlust durch schädlichen Konsumverzicht erkaufen. Jackpot-Frage: Was sollen sie tun mit der freien Zeit, mit diesem Feuer, in dem wir alle verbrennen?

Mein Vorschlag: Stricken für den Weltfrieden und die Versöhnung der Generationen. „Wie soll das denn funktionieren?“, mosern die Entscheidungsträger. Antwort: Eine stadtbekannte Müßiggängerin belauschte beim Flanieren mit der Bim jüngst folgenden Dialog zweier grauer Pantherinnen.

„Ich tu gern handarbeiten.“ Langes Schweigen.
„Ja, das ist gut. Da vergeht viel Zeit.“ Noch längeres Schweigen.
„Und man sieht, dass was weitergeht.“

Großartiges Konzept! Es vergeht die Zeit, nicht der Mensch. Und am Ende hält er auch noch etwas in Händen.
„Was soll mit all den Stoffbastelendprodukten geschehen, wenn die Grauen sich jetzt die Seele aus dem Leib stricken, weben und klöppeln?“ quaken die Opinionleader.

Genau hier erfolgt der Auftrag an die faulen Jungen: Geht hin und bastelt den Altvorderen Webshops für ihre Webteppiche! Gewandet euch zudem in geklöppelte Spitzencombinagen! Nutzt die stilbildende Macht der Jugend und macht Strick zum Schick!

Weitere handgestrickte Schnapsideen hier bestellen: meindldominika@yahoo.de

Samstag, 1. November 2008

Die Welt retten – aber erst morgen

In Krisenzeiten wird das Volk zur leichten Beute für Scharlatane

Zig Gigabytes an Liebesbriefen wollten mir nach meiner jüngsten Aufforderung beweisen, dass die Romantik nicht tot sei, sondern nur ein wenig komisch rieche. Geschenkt.

Jetzt ist aber bitte Folgendes: Wir haben in den vergangenen zwei Wochen größere Probleme bekommen als die dysfunktionale Zweisamkeit. Der drohende Weltuntergang geht uns alle an. Mit Liebe alleine kriegen wir das Ding nicht wieder ins Lot.

Wie immer in Krisenzeiten bettelt das Volk um Ratschläge von strenger Hand. Von mir aus erledige ich das – bevor wieder irgendein durchgeknallter Despot Öl ins Feuer gießt. Auch wenn es mir selbst mehr weh tut als der Gesellschaft, wenn der Pracker auf ihrem Buckel Kirtag hält.

Da ich eine gütige Diktatorin sein will, öffnete ich vor dem geplanten Erstschlag mein Ohr. „Verbiete einfach Krisen“, sprach ein Gefährt da hinein. „Das Gebot Alles auf morgen verschieben sollte absolute Priorität bekommen“, eine weise Freundin ins andere. Beide Gedanken kreisten im Kopfraum, fanden einander und vereinigten sich. Dazu gesellte sich der Zufall in Form eines Artikels in der „New York Times“: „In Krisenzeiten ist es oft das Beste, nichts zu tun“.

Ja dann aber flott, mein Volk! Die Krisenbewältigung wird per Dekret auf übernächsten Donnerstag verlegt. Bis dahin geht ihr zum Wirten, meinetwegen Schuhe einkaufen und Zeitung lesen. Wen ich bei sorgenvoller Arbeit erwische, den lasse ich zur Strafe weitermachen.

Spendenanfragen, Seminarbuchungen oder „Du bist selbst ein Scharlatan!“-Botschaften an: meindldominika@yahoo.de

Samstag, 4. Oktober 2008

Sinnkrisen im Saustall

Beleidigte Fluchten ins Proletariat sind auch keine Lösung

„Was machst du gerade?“
„Abkratzen.“
„So schlimm?“
„Nein, Tapeten! Du, ich kann nicht lange reden, ich muss nachher den Saustall ausräumen.“

So ging ein jüngst selbst belauschtes Telefonat zwischen einem Hobbydichter und einer Berufstexterin. Letztere imaginieren Sie sich bitte in einem nagelneuen Blaumann steckend, der eher eine Scheinschwangerschaft vermittelt als eine professionelle Arbeitseinstellung.

Couture aus dem Lagerhaus? Nicht nur modisch muss ich hier die Peitsche des Tadels schnalzen lassen. Sie klatscht all jenen Intellektuellen auf den breitgesessenen Hintern, die es nicht gebacken kriegen, dass ihr berufliches Wirken die Welt um keinen Deut verbessert hat. „Ich schreib’ mir die Finger wund, und das Volk verwählt sich schon wieder!“ heulen sie.

Beleidigt suchen sie Trost und Sinn in ehrlicher Hände Arbeit. Ihre Hände sind aber nicht ehrlich. Sie missbrauchen die physische Arbeit. Wenn sie wehrlose Mostbirnbäume umhacken und Bauernhöfe dekonstruieren, dann ist das nichts anderes als Angeberei. Der Eifer gerinnt zur Pose, der Fleiß zur Anbiederung an das zuvor geschmähte Proletariat.

Liebe Gscheitln und Stadtmäuse, lasst euch nicht vom Saustall im eigenen Leben in einen realen Schweinekoben führen. Zieht den Blaumann wieder aus. Schon Brecht machte sich mit seinen maßgeschneiderten Arbeiterkleidern lächerlich, das müsst ihr nicht wiederholen. Geht zurück zu euren Computern und schreibt dem Volk Kolumnen, in denen ihr es in klaren Worten für sein Wahlverhalten schimpft und tadelt.

Samstag, 26. Juli 2008

Vom Segen der Eremitage

Schönes gibt es von Zuhause zu berichten, geliebte Leserschar! Wie Sie vielleicht noch wissen (ich bin Ihnen nicht hab, falls nicht), bin ich ja beruflich Tyrannin meiner selbst. Die Pein durch meinen schlechten Umgang mit der neu gewonnenen Freiheit ist Wort geworden, und es ist als Kolumne unter uns gewesen.

Dann die Revolution! Oder besser: der Zwergerlaufstand. Seither bin ich vom Arbeitsplatz nicht mehr zu trennen. Großer Segen liegt auf dem Rückzug ins eigene Turmstübchen.

In allem Herrgottsmittag pendle ich vom Bett zwei Meter ins Büro – die Umwelt dankt!
Interviews erledige ich telefonisch in der ballonseidenen Joggingdress – das Konto blüht auf!
Gegessen wir das alte Zeug aus dem hintersten Kredenzwinkel – die Dritte Welt wird satt!
Das Klettertrainig erledigt sich an der Klimmzugstange – die Krankenkasse jauchzt!
In splendider Isolation rattert es unbeschwert im Hirn – die Kolumne wird voll!
Mangels Ärger brauche ich kein Bier mehr – das Wohlstandswimmerl schmilzt!

Dabei bleibe ich top-informiert und sozialisiert: Auf dem Bildschirm prangt nun so ein Kastl, das mir immer verrät, wie kalt es draußen ist. Das emotionale Humankapital (umgs.: „Freunde“) verwalte ich durch segnende Worte per Mail.

Apropos: Jetzt habe ich endlich Zeit, die kilometerlange Liste Ihrer Beschwerden abzuarbeiten! Immer nur her damit:
meindldominika@yahoo.de

Donnerstag, 10. Juli 2008

Unterdrückung ist gar nicht so schlecht

Meine neue Chefin ist eine Niete
Jetzt ist es passiert: Ich habe die Beherrschung verloren. Will heißen: Diese Zeilen sind ab heute freischaffenden Fingern entsogen. Die neue Chefin hat ihr Büro zwischen meinen beiden Ohren.
Leider ist sie eine komplette Niete. Mangelnde Führungsqualität Hilfsausdruck. Sie führt mich höchstens in Versuchung: Also oft ins Freibad, öfter zum Kühlschrank und am öftesten zum Wirten.

Das ist naturgemäß fatal für Budget und vor allem Sendungsbewusstsein. Anstatt allerhand Meinungen abzusondern und durch strenge Anweisungen die Welt zu verbessern, sitze ich auf Gras/Küchenstuhl/Bierbank und verschiebe auf übermorgen, was morgen zu erledigen wäre.

Will ich tatsächlich schreiben, verfalle ich sogleich in völlig sinnlose Geschäftigkeit. Rund um mich erstrahlen geputzte Fenster, entlauste Topfpflanzen und überflüssige Fachexkursionen: „Busy doing nothing“ nennt der Fachmann so einen schweren Fall von Aufschieberitis (die wiederum als „Procrastination“ zu wissenschaftlichen Ehren gekommen ist). Sehen Sie?

Selbst für seine Leistung verantwortlich zu sein, ist eine arge Bürde. Am eigenen Leib erlebe ich, dass der Mensch mit Freiheit nicht umgehen kann. Was also tun? Schizophren werden und gegen die neue Chefin rebellieren? Alte Vorgesetzte bitten, mich anzurufen und mit der Peitsche zu knallen?
Und jetzt kommen auch noch Sie daher und wollen eine Lösung oder zumindest eine Schlusspointe? Jetzt reicht’s! Ich kündige! Zumindest für die nächsten zwei Wochen.

Samstag, 3. Mai 2008

Arme reiche Würste!

Reiche Kinder sind arme Würschtel. Nie adelte Not und fehlend Brot ihre Seelen. Ihre Eltern sind Ärzte, Bankfilialleiter und Installationskonzernbesitzerinnen. Aufsteigen können die höheren Söhne und Töchter nicht mehr. Ihr Weg führt in die kleinkriminelle Wohlstandsverwahrlosung oder in die Geisteswissenschaften – was ungefähr auf dasselbe hinausläuft.

Neidvoll blicken die Kinder aus gutem Hause auf die Herkünfte von Köhlerssöhnen und Holzfällerstöchtern. Die können in intellektuellen Kreisen mit ihrer biografisch bedingten Volksnähe prahlen und schillern.

Doch der Zeitgeist meint es gut mit den reichen Würschteln: Dank der Erfindung des Prekariats dürfen nun auch sie ein wenig am Hungertuch küfeln. Zur Erklärung: Das Prekariat, das sind die, die dank Vatis „Stupidium“ lange Jahre am Markt vorbeistudiert haben. In Form von Germanistinnen oder Keramikkünstlern vertreibt es sich in höchstens dezent bezahlten Anstellungsimitaten die Zeit bis zur Einführung der Grundsicherung. Das ist an sich schlecht.

Gut aber für die geschundenen, weil allzu reich beschenkten Kinderseelen: „Wir werden vom System toootal unterdrückt!“, greinen sie erleichtert. Die unfreiwilligen Arbeitsmarkt-Freibeuter proben den Zwergerlaufstand gegen die Ausbeuter und finden so endlich etwas, wofür es sich zu Mittag aufzustehen lohnt. Zur Demo gegen die neue Armut reisen sie dann mit der vom Vater ausgeliehenen Bonzenkarosse.
Apropos: Papa, mein Handy ist gesperrt. Tank mir bitte diesmal den Mercedes ganz voll, sonst reiß ich dir den Stern herunter.

Samstag, 8. März 2008

Arbeit schändet - und das ist gut so

Demut ist ein Segen für das reibungslose Miteinander der Menschenkinder. Hochmut kommt vor den Fall, so mieft es nicht nur aus den Talaren. Demütigungen sollten daher endlich einmal aus dem Schmuddeleck der zwischenmenschlichen Gepflogenheiten geholt werden.
Sag' ich nicht bloß im Walten meines Amtes als strenge Herrin dieser Zeilen.
Weil, warum? Großer Schaden wird der Welt durch große Egos zuteil. Ich sage nur "BAWAG" oder "Irakkrieg".
Nichts eignet sich besser als Arbeit, um das fürwitzige Wuchern der Ichs einzudämmen. Ein Mensch, der sich in seiner Jugend als Gartenzwerg, kellnernder Mostdipf oder Messestands-Grinsekatz verdingen musste, kann gar nicht mehr auf die schiefe Bahn einer Karriere geraten. Sonst wär' er gar nicht Gartenzwerg geworden, sondern hätte Crack vercheckt.
Eine Umfrage unter soweit gelungenen Menschen nach ihren Einstiegsjobs: DIe Jury-Assistentin der Afiesler Chorolympiade ist heute historische Betroffenheitspflegerin. Die Tischabräumerin bei einer Klingonen-Konferenz steht der lernunwilligen Jugend bei. Die Reißnagelabfüllerin macht die Menschheit durch Süßwarenverkauf glücklich.
Arbeit adelt, auch wenn es Häuslputzen ist, roch es einst aus dem Mund einer bald schon wieder arbeitslosen Kurzzeitministerin. Aber nein doch: Arbeit schändet, da haben die werkscheuen Punks schon recht.
Ich habe in früher Jugend Bierkisten durch den örtlichen Nahversorger geschleppt. Und fühle mich als Kolumnendomina nun sicher und geborgen vor Kolumnen-Unbill.