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Donnerstag, 13. August 2015

24 Stunden Ärger

Jüngst wehten mich günstige Winde nach New York, da ist die Rückkehr natürlich ein wenig herb – vom Urbanitätsgrad her, zwischenmenschlich komme ich eh gern wieder nach Wels. Was mir "drüben" ins Auge fiel: In den Staaten hat's sehr viele fußkranke Leut. Paradox, zumal eigentlich wir Österreicher die Nachfahren der bei der Völkerwanderung marod hängengebliebenen Hunnen sind. Die Amerikaner scheinen jedenfalls bei der körpereigenen Infrastruktur sparen zu müssen. Verständlich, eine Knieoperation kostet auf Amerikanisch mehr als ein Jeep. Aber unverständlich: Auch die hatscherten Amis sind gegen eine Gesundheitsversicherung! Schon interessant, wie es den Pharmakonzernen gelingt, die kleinen Leute gegen ihre Interessen wählen zu lassen. 
Das ist der Link zu Wels. Auch hier wählt man gegen seine Interessen. Zum Beispiel eine Partei, der wir das Hypofiasko zu verdanken haben, und die jetzt ganz laut schreit, dass das ein Skandal sei, und überhaupt, die Ausländer! Die den minderbemittelten Mietern die Wohnbeihilfe wegnehmen und den Eigenheimschaffern und Grünraumzersiedlern geben möchte. Man könnt sich so ärgern, 24 Stunden, sieben Tage die Woche! Aber in die USA auswandern werde ich nicht, wegen meiner schlechten Knie. Und dem grauslichen Kaffee.

Freitag, 18. Oktober 2013

Don't drink and drive me crazy

Neulich war ich in China, dort hatte ich konkrete Erlebnisse mit der Überbevölkerung. Seitdem lache ich nicht mehr über Stronach, der Chinesen-Einmärsche fürchtet. Sie sind so unglaublich viele! Vielleicht hat mich einfach der Kontrast zur Welser Innenstadt fertig gemacht. Wer da Zeit zu verbringen hat, dem steigt schnell die Einsamkeit ins Herz. Sie kennen das Bild mit der Neutronenbombe – Mensch geht, Haus steht. Daran muss ich am Stadtplatz oft denken.
Nur an manchen Tagen gibt's hier chinesische Verhältnisse, wenn nämlich die Bevölkerung öffentlich und flächendeckend alkoholisiert werden soll. Beim Public Viewing etwa, oder bei Adventmärkten. Punsch und Bier, die sozialen Schmiermittel, nehmen die Angst. Aber wovor? Leiden die WelserInnen an kollektiver Agoraphobie?
Oder hat ihnen nie jemand gesagt, dass der öffentliche Raum ihnen gehört? Mach' ich gern: Die Stadt gehört euch! Weil ich schon dabei bin: Nichts gegen das Saufen. Öffentlich gelebte Nüchternheit ist aber auch super, vor allem, wenn einen abseits der geschützten Umgebung des Wirtshaustisches ein politischer Mitteilungsdrang überkommt. Wenn wir da weiter so dumm tun, kommt uns der Chines'!

 Eine Geschichte voller Missverständnisse: Wels und seine Beziehung zu größeren Städten. Abgebildet: "Wels grüßt Wien"

Samstag, 6. September 2008

Schelte über das postpubertäre Zugzigeunertum

Bewusstes Miachtln riecht nach verweigerter Reife

Jetzt ist es schon wieder passiert: Urlaub. Neben unabsichtlich verfaulenden Muscheln, Portwein, Weihwassermadonnen und billigen Plastikdolchen (raten Sie ruhig einmal, wo ich war) habe ich Schelte und Kritik mitgebracht. Dieses Souvenir schenke ich dem Volk der Zugzigeuner (Verzeihung: Interrail-Roma).

Bevor jetzt tausende Kinne junger Menschlein zu bibbern beginnen: Mein Tadel trifft nicht sie. In blühender Jugend wochenlang durch die schöneren Länder dieses Kontinents zu gammeln und an Stränden „Blowin’ in the Wind“ zu schrummeln, ist der Herzensbildung zuträglich.

Nach dreißig sollte man das aber bleiben lassen, sonst stinkt die Sache nach Angst vor dem Erwachsenwerden. Weil’s ja wahr ist! Das ganze Jahr über sozialneurotisch dreimal täglich duschen und Selbiges dann drei Wochen bewusst miachtelnd überschätzt zu finden, ist postpubertär. Oder im Urlaub in einem versifften Zugabteil mit münkelnden Mitreisenden und ihren Säcken voller Knoblauchhartwürste in eine Stadt zu reisen, die man erst vor einem Monat beruflich mit dem Privatjet frequentiert hatte. Oder mehr warme Biere als warme Mahlzeiten einzunehmen. 37 weitere Illustrationen dieser Unsitte könnte ich noch nennen, ohne meine Fantasie anstrengen zu müssen! Zum Beispiel dieses Souvenir-Konglomerat: stinkend Meeresgetier, Fusel, Katholikentand und Kriegsspielzeug. Tsss!

Alles selbst und für Sie recherchiert während meiner Interrailreise. Ich werde übrigens erst übermorgen dreißig.

Samstag, 23. August 2008

Elende Fluchten

Eine Geschichte mit hohem Moralgehalt

„Erzähl uns einen Schwank aus deiner Jugend hinterm Krieg!“ flöten die Leserstimmen in meinem Kopf. „Aber nur noch eine, dann ist Schluss für die nächsten zwei Wochen“, brumme ich, „und ihr müsst gut aufpassen, denn in der Geschichte ist ein Gleichnis für unser aller Leben versteckt!“

Die Geschichte ist alt und echt, sie trug sich im vorhergehenden Jahrtausend zu.
An den Anlass erinnere ich mich nicht mehr, wohl aber an die Intensität des mütterlichen Unmuts. Geschimpft und gekränkt beschloss ich auszureißen. Ich wusste sogleich, dass mich eine gewisse Dickleibigkeit nicht für den Zirkus qualifizieren würde. Aber ich wollte tagelang in den Wäldern hausen und meiner Mutter bittere Tränen der Reue in die Augen treiben.

Ich nahm zwei Plastiksäcke und begann zu packen. Nachdem ich die zwei untersten Schubladen ausgeräumt hatte, musste ich einsehen, dass ich wohl doch nicht all meine Habe mitnehmen konnte. Ich nahm also die beiden Säcke (in denen jetzt nur Socken und Unterhosen waren) und packte noch zwei Bananen oben drauf. Dann ging ich!

Meine Mutter erzählt heute unter Tränen (allerdings nicht der bitteren Reue), sie habe mich langsam mit den riesigen Säcken davonwackeln sehen und sich dann nach einer halben Stunde gefragt, ob sie sich jetzt Sorgen machen müsse. In der Zwischenzeit war ich 200 Meter weit gekommen. Ich setzte mich erschöpft hin und aß den Proviant auf. Dann wurde mir klar, dass das so nichts werden würde. Ich blies die ganze Sache ab! Nach einer halben Stunde und zwei Minuten kehrte ich in die Arme meiner lachenden Mutter zurück.

Jetzt sind es am Ende gleich zwei Moralen hinter der Geschicht’ geworden. Erstens: Enden nicht immer noch alle unsere Fluchtversuche hinterm eigenen Gartenzaun? Zweitens: Seien Sie nicht so streng! Weder zu sich, noch Ihren Kindern, noch Ihren Kolumnentanten.

Samstag, 19. April 2008

Affiges Urlauben

Heute zu Gast in der strengen Kolumnenkammer: Gutmenschen auf Urlaub. Sprich: affiges Weltbürgertum. Meine Schelte erfolgt zur Unzeit? Au contraire, denn so urlaubt der alternativ Bewegte. Im August zu reisen ist für den Individualismus-Junkie ungefähr so en vogue wie ein Stecken im Aug’.

Steuerzahlerin und kleiner Mann von der Straße ziehen erst dann gen Italien, wenn es eh zuhause auch heiß ist. Das intellektuelle Studenten-Gsindl hingegen darf sich keinesfalls am Teutonengrill in Caorle erwischen lassen. Es gleicht vielmehr seinen ersehnten Migrationshintergrund in irgendwelchen dritten Weltländern aus.
Nie geht es dabei bloß um Erholung. Der Bessermensch will sich selbst finden – wo er nichts verloren hat. Als Bonus gibt’s Durchfall-Anekdoten und Diebstahlsschnurren. Ganz zu schweigen von billig gebatikten Anlehnungen an die Landestracht. Besonders schick sind Freundschaften mit Menschen, die 49 Flugstunden weit weg wohnen.

Mit meiner ungünstigen Meinung dazu hänge ich am Rockzipfel von Glossengott Max Goldt, der solches Wollen töricht nennt. Bestmenschen mögen sich ihre Freunde doch nicht jenseits des Äquators suchen, sondern diesseits der Grätzlgrenze.
Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Ja, ich war gerade in Nepal. Im April. Und ja, ich gewande mich derzeit in quietschbunte Alternativuniformen und schicke Mails an meine 17 neuen Kumpels aus Kathmandu. Was soll jetzt diese Kolumne gewordene Schizophrenie? Nur Diavorträge aus Weitwegistan heben mich aus dem Normalosumpf in die lichte Höhe des Optimalmenschen.