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Donnerstag, 13. August 2015

24 Stunden Ärger

Jüngst wehten mich günstige Winde nach New York, da ist die Rückkehr natürlich ein wenig herb – vom Urbanitätsgrad her, zwischenmenschlich komme ich eh gern wieder nach Wels. Was mir "drüben" ins Auge fiel: In den Staaten hat's sehr viele fußkranke Leut. Paradox, zumal eigentlich wir Österreicher die Nachfahren der bei der Völkerwanderung marod hängengebliebenen Hunnen sind. Die Amerikaner scheinen jedenfalls bei der körpereigenen Infrastruktur sparen zu müssen. Verständlich, eine Knieoperation kostet auf Amerikanisch mehr als ein Jeep. Aber unverständlich: Auch die hatscherten Amis sind gegen eine Gesundheitsversicherung! Schon interessant, wie es den Pharmakonzernen gelingt, die kleinen Leute gegen ihre Interessen wählen zu lassen. 
Das ist der Link zu Wels. Auch hier wählt man gegen seine Interessen. Zum Beispiel eine Partei, der wir das Hypofiasko zu verdanken haben, und die jetzt ganz laut schreit, dass das ein Skandal sei, und überhaupt, die Ausländer! Die den minderbemittelten Mietern die Wohnbeihilfe wegnehmen und den Eigenheimschaffern und Grünraumzersiedlern geben möchte. Man könnt sich so ärgern, 24 Stunden, sieben Tage die Woche! Aber in die USA auswandern werde ich nicht, wegen meiner schlechten Knie. Und dem grauslichen Kaffee.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Utopien für Wels: Rare Bären und Beuschlvariationen

Linz war einmal Kulturhauptstadt und hoffte, vom Touristentsunami getroffen zu werden. Ich wollte meinen Beitrag leisten und schickte dem Bürgermeister damals einen lieben Brief mit Ideen, etwa der Anschaffung eines Pandazwillingspärchens. Was soll ich sagen? Meine Utopien wurden verschmäht, Linz blieb Linz. Da ich nun oft in Wels zu Gast bin, soll es meine Tipps bekommen. Gratis!
Erstens: Die Pandas für das Affenhaus. Den Ledererturm schief stellen. Ein Madonnenblutwunder in der Stadtpfarrkirche. Eine bizarre Spezialität erfinden, Pferdelebkuchen oder Beuschlkonfekt. Ein arges Viertel bauen, ähnlich der Pullman-City, in der abends malerische Schießereien fingiert werden: für Hip-Hop-Touristen, denen LA Compton zu fade ist (und nein, nein, dreimal nein: die Noitzmühle ist KEIN Ghetto, hören Sie auf, mir das einzureden). Meine Lieblingsidee: Die Traun über den Stadtplatz umleiten und jeden Freitag ein bombastisches Piraten-Seeschlachtsspektakel abfackeln.
Die Umsetzung kostet natürlich. Sie können aber auch auf meine Utopie pfeifen und selbst draufkommen, dass Wels eine STADT sein könnte, ein befreiender, urbaner Raum voller Potenziale. Die Alternative wären Pandas.

Die Noitzmühle ist kein Ghetto, die Pernau natürlich schon.

Dienstag, 29. April 2014

Ausländer machen dick

Neulich sollte ich im Welser MKH Jugendlichen Gedichte näher bringen. Auf dem Weg zum Workshop kamen wir an einem Plakat der lyrisch übermotivierten Heimatpartei vorbei: "Türkei nicht dabei". Der auf dem Plakat nicht abgebildete Spitzenkandidat ist einst mit seiner poetischen "Negativzuwanderung" hervorgetreten.
Ich begrüße das! Weg mit den Türken! Weil mich das so angeht, dass ich nach dem Biertrinken immer, immer Kebap esse und schön langsam ein bisschen blad werde. Aus ähnlichen Gründen möchte ich eine äh... Positivabwanderung von Chinesen, Italienern, Griechen und Indern. Es sind eh so viele Leute hier! Nie findet man in der Innenstadt einen Parkplatz! Beim Billa muss man sich immer so lange anstellen! Wenn wir schon beim Negativzuwandern sind, möchte ich auch die volksfremden Balkanvölker nach Hause bitten. Überhaupt, die Schwarzen sollen weg. Ich hab' an sich nichts gegen den Pühringer und die Seinen, aber ich brauche Platz zum Spazieren.
Bleiben sollen nur die Slawen, also ich, der Vilimsky und der Strache. 

 Quelle: Pammesberger, Kurier

Freitag, 18. Oktober 2013

Don't drink and drive me crazy

Neulich war ich in China, dort hatte ich konkrete Erlebnisse mit der Überbevölkerung. Seitdem lache ich nicht mehr über Stronach, der Chinesen-Einmärsche fürchtet. Sie sind so unglaublich viele! Vielleicht hat mich einfach der Kontrast zur Welser Innenstadt fertig gemacht. Wer da Zeit zu verbringen hat, dem steigt schnell die Einsamkeit ins Herz. Sie kennen das Bild mit der Neutronenbombe – Mensch geht, Haus steht. Daran muss ich am Stadtplatz oft denken.
Nur an manchen Tagen gibt's hier chinesische Verhältnisse, wenn nämlich die Bevölkerung öffentlich und flächendeckend alkoholisiert werden soll. Beim Public Viewing etwa, oder bei Adventmärkten. Punsch und Bier, die sozialen Schmiermittel, nehmen die Angst. Aber wovor? Leiden die WelserInnen an kollektiver Agoraphobie?
Oder hat ihnen nie jemand gesagt, dass der öffentliche Raum ihnen gehört? Mach' ich gern: Die Stadt gehört euch! Weil ich schon dabei bin: Nichts gegen das Saufen. Öffentlich gelebte Nüchternheit ist aber auch super, vor allem, wenn einen abseits der geschützten Umgebung des Wirtshaustisches ein politischer Mitteilungsdrang überkommt. Wenn wir da weiter so dumm tun, kommt uns der Chines'!

 Eine Geschichte voller Missverständnisse: Wels und seine Beziehung zu größeren Städten. Abgebildet: "Wels grüßt Wien"

Donnerstag, 28. März 2013

Wels ist nicht tot, es riecht nur komisch

Wels schlecht finden ist so wie Schönwetter gut finden: weit verbreitet. Neulich hat sich sogar Die Zeit hinreißen lassen, die Messestadt zu bashen. Ganz niederträchtig, nämlich auf der Kinderseite, wo Minderjährige vorgegebene Formulare ausfüllen dürfen. Bei der Frage "Was macht dich traurig?" ließ man eine Achtjährige hinkritzeln: "dass unser Wels tot ist." Muss das sein?
Ist das wegen Wagner? Gut, von der politisch unzuverlässigen Werktreue, mit der man den hier inszeniert, bekommt man einen pelzigen Mund. Als konstruktiver Mensch möchte ich vorschlagen: Arbeitet mit diesem schlechten Ruf! Wenn Linz – laut Spiegel – das langweiligste Ghetto der Welt ist ("Chemie, Langeweile, Drogen"), kann Wels das locker toppen, zum Beispiel mit einer Neuinszenierung des Rings der Nibelungen durch Ramstein oder einer Hip-Hop-Version der "Meistersinger von Nürnberg", nämlich: "Der Battle Rap von der Noitzmühle", performt vom Hans-Sachs-Chor. Bitte sehr, nichts zu danken.