Mittwoch, 26. Juni 2013

Wer spinnt hier?!

Neulich ist meine Nachbarin verrückt geworden. Sie steht nun in ihrer Wohnung und schimpft aus vollem Hals mit imaginären Menschen. Ein anderer Nachbar hat mich jüngst gebeten, ihm nicht mehr dauernd die Waschmaschine zu stehlen. Vor ein paar Wochen hat eine Frau an meine Autoscheibe geklopft, ihre Lippen durch den offenen Spalt gesteckt und inbrünstig "I bin Mühviatlarin!" genuschelt. Und dann war da noch der junge Mann, der mich für sein UFO-Forschungsteam gewinnen wollte...
Mich dünkt, dass diese mentalen Ausritte aus dem gesellschaftlichen Konstrukt „Normalität“ bzw. „geistige Gesundheit“ in meiner näheren Umgebung jetzt zunehmen. Über den Grund kann ich nur spekulieren, ich bin ja keine Spinn-Doktorin. Schlimm finde ich das Verrücktwerden aber nicht, angesichts des Bösen in der Welt sogar verständlich. Dass der ORF den Bachmann-Preis wegsparen will, macht mich auch verrückt. Wer weiß, was ich dem Herrn Generaldirektor alles in seine Wohnung oder sein Auto hineinbrüllen würde. Närrisch finde ich auch die Psychose, dass Homosexuelle die Gesellschaft vom Kinderkriegen abhielten. Und dass ein Staat weltweit private Emails liest und meint, „Wer nichts zu verbergen hat, muss auch nichts fürchten!“, selbst aber Aufdecker mit Pomp und Getöse verfolgt, das kommt mir schon recht geisteskrank vor. Muss mal den Psychiater meines Vertrauens fragen, ob man Präsidenten einweisen lassen kann, oder zumindest ORF-Programmdirektoren.
Doch wenn ich es recht bedenke – ich lasse das lieber. Ich sitze ja selbst in meiner Wohnung und schimpfe für imaginäre Leute. Mühlviertlerin bin ich außerdem... Jetzt habe ich Angst! Vielleicht mache ich die Leute verrückt? Dann vergessen Sie bitte schnell alles, was Sie soeben gelesen haben.

Dienstag, 16. April 2013

Über Ironie und Diktatur

Ob ich denn nie ernst sein könne, hat man mich jüngst gefragt. Wollen schon, aber können nicht. Denn wie ließen sich die Zumutungen der Realität anders ertragen als durch ironisch-seitliches dran Vorbeigehen? Erst neulich etwa hörte ich, dass Maria Fekter fürchte, es würden Ausländer diskriminiert. Sie sah nicht Flüchtlinge in Gefahr, sondern das arme Bankgeheimnis. Oder, von noch weiter rechts: 25 junge Ayslwerber dürfen keine Lehre machen, sonst explodiere die Jugendarbeitslosigkeit. Darum frage ich: Wie soll ich mich denn anders gegen Derlei wehren als mit Gelächter? Der Humor ist doch das Öl, mit dem sich der Ringer im Kampf gegen das Böse unangreifbar macht. Sinnvolleres, als dem Leben Hofnärrin zu sein, ist mir beruflich bislang noch nicht eingefallen.
Andererseits bringt man so nicht viel weiter bei der Weltrettung. Ich hege Pläne. Wären Sie dabei, wenn ich eine gemäßigte Diktatur einführte, noch viel besser als alles, was uns der Stronach so vorfaselt? Keine Sorge, auf Gewalt würde ich weitgehend verzichten und Felix Baumgartner nie in meine Regierung lassen. Aber erstens dürfte Frau Fekter zurück in ihr Schotterwerk. In den Geschäften bekäme man zweitens nichts mehr zu kaufen, das die eigene Oma nicht als Speise identifizieren könnte. Pferdefleisch von mir aus, Tiefkühllasagne nicht. Drittens dürfte man in meinem Bankensektor nur noch mit Spekulationen spekulieren, quasi ein internes Monopoly für Banker, aber mit nichts Realem mehr. Wer etwa mit Weizen oder Wohnungen dumm herumzockt, bekäme von mir, der Diktatorin mit Herz, persönlich mit der Fliegenklatsche eins auf die Finger. Viertens würde ich eine staatliche Agentur erschaffen, die mir pfiffige Schlusssätze für meine Kolumnen schrübe.

Donnerstag, 28. März 2013

Wels ist nicht tot, es riecht nur komisch

Wels schlecht finden ist so wie Schönwetter gut finden: weit verbreitet. Neulich hat sich sogar Die Zeit hinreißen lassen, die Messestadt zu bashen. Ganz niederträchtig, nämlich auf der Kinderseite, wo Minderjährige vorgegebene Formulare ausfüllen dürfen. Bei der Frage "Was macht dich traurig?" ließ man eine Achtjährige hinkritzeln: "dass unser Wels tot ist." Muss das sein?
Ist das wegen Wagner? Gut, von der politisch unzuverlässigen Werktreue, mit der man den hier inszeniert, bekommt man einen pelzigen Mund. Als konstruktiver Mensch möchte ich vorschlagen: Arbeitet mit diesem schlechten Ruf! Wenn Linz – laut Spiegel – das langweiligste Ghetto der Welt ist ("Chemie, Langeweile, Drogen"), kann Wels das locker toppen, zum Beispiel mit einer Neuinszenierung des Rings der Nibelungen durch Ramstein oder einer Hip-Hop-Version der "Meistersinger von Nürnberg", nämlich: "Der Battle Rap von der Noitzmühle", performt vom Hans-Sachs-Chor. Bitte sehr, nichts zu danken.

Freitag, 11. Januar 2013

Kinder an die Waffen!

Bitte, ich möchte auch noch was zum Heer sagen! Obwohl Ihnen das bestimmt schon zu Hals, Nasen, Ohren heraushängt. Aber hier besteht keine Lesepflicht, Sie können sofort aufhören. Außerdem denken Christen in anderen Zeitspannen, da sind 2000 Jahre alte Debatten auch noch relevant.
Hier bitte meine Idee zur Armeereform und Weltrettung. Erstens: Krieg ist schlecht. Zweitens: Kinder brauchen Waffen. Auch Mädchen! Zur Erläuterung biete ich mich gerne als Beispiel an: Im vorhergehenden Jahrtausend war ich das kriegslüsternste Kind zwischen Texas und Kabul. Heute bin ich Friedensfetischistin. Ich streite nicht einmal mehr im Wirtshaus, wenn Daumen, Haare und Fliegen in der Suppe sind.
Achten Sie in der Pädagogik unbedingt auf rechtzeitiges Abrüsten! Noch vor der Pubertät, in der Kinder tatsächlich schon Schaden anrichten können. Dann muss ganz und gar Schluss sein mit dem Kriegsunsinn, also auch in Computern, Kinos, Köpfen, Kasernen. So.
Wer bis hierher gelesen hat, soll zum Schluss mit einer nichtfiktiven Schnurre belohnt werden: Ein Bekannter musste Assistenzeinsatz an der ungarischen Grenze leisten. Eines Nachts griff man acht verschreckte Flüchtlinge auf. Der Bekannte schwamm innerlich in Mitleid. Die Asylwerber wurden in die Kaserne gebracht. Als sie dort erneut gezählt wurden, hatten sie sich wundersam vermehrt. Der Neuzugang stand leicht schwankend da. Es gab große Verständigungsschwierigkeiten, da er – anders als die ersten acht – des Englischen, nein: des Sprechens nicht mächtig war. Es dauerte, bis sich das Rätsel entzauberte: Ein Burgenländer hatte sich in einen Vollrausch und sein Auto in den Graben versetzt, dabei war er unter die Flüchtlinge geraten.
Sagen Sie, was Sie wollen, ich finde die Geschichte schön.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Lockert die Rücktrittsbremsen!


Politikerschimpf als Kolumneneinstieg? Das ist neuerdings besonders riskant. Schnell fliegen die Eulen nach Athen und schnell ist das Leservolk vergrämt. Auch meine Augen wollen nach oben rollen, höre ich nur das Wort „Kärnten“ oder gar „Inserat“. Ich kann nur hoffen, dass Sie langmütiger sind als ich selbst. Die kommenden paar Absätze möchte ich nämlich ein wenig räsonnieren über die da oben und uns hier unten.
Stichwort Rücktrittskultur. Es scheint, dass uns kleinen Leuten auf der Straße (bzw. mir hier in der Schreibstube) die politische Mitbestimmung entgleitet. Wie ungemein wohltuend ist es da, durch gemeinsame Empörung einen der schlimmen Finger da oben zu einem schönen, demütigen Rücktritt zu bringen! Die Fantasie flattert und zaubert mir folgende Idee in den Kopf: Wie beim Eishockey könnte doch der Bundespräsident die Macht bekommen, Mitspieler der Legislative zu Strafminuten auf der Hinterbank zu verdonnern. Ein dummer Spruch über echte und falsche Kärntner? Der Schiri pfeift sogleich, brummend muss sich der Faulspieler trollen. Beschämt soll er harren, bis er wieder zurück ins Spiel darf.
Und weil das Private das Politische ist, bin ich stark für eine Ausweitung der Rücktrittskultur. Die Diskontindustrie möchte ich zum Beispiel vehement zum Rücktritt aus der Brotbranche aufrufen: Hört auf, ihr könnt das nicht! Euer „Brot“ ist eine ungeheuerliche Entgleisung. Oder Passanten auf dem Radweg: zurücktreten bitte! Für den Installateur, der mir durch seinen Thermenpfusch drei kalte Winter beschert hat: Misstrauensantrag und Rücktritt!
So, und jetzt trete ich auch ein wenig zurück, zumindest bis zum nächsten Mal. Nur zur Sicherheit, denn vielleicht fanden Sie meine Ausführungen ja einfältig.

Montag, 2. Juli 2012

Keine Angst vor China!


Unser Deutschlehrer, eigentlich ein gutmütiger Mensch, geriet einst mitten in der Stunde in Panik. „Ich fürchte die Chinesen!“ rief er laut und ließ uns, die wir über unsere Hefte gebeugt waren, hochschrecken. „Ja schaut nur! Jetzt haltet ihr mich für wahnsinnig, aber ich weiß es: Die Chinesen kommen!“ Ich war betroffen.
 
Allerdings nicht inhaltlich: Mir konnte er damals schon mit seinem „Jeder fünfte Mensch kommt als Chinese zur Welt!“ keine Panik machen. Zumal ich der fünfte Mensch in meiner Familie bin. Und tatsächlich im Gegensatz zum Familienrest ganz schmale Augen habe und Backenknochen so breit wie die Wüste Gobi; im Sommer werde ich nicht braun, sondern rotgelb. Ein befreundeter Hobbyethnologe meint, es sei wohl einst ein Hunne nicht spurlos an einer Ahnin vorbeigeritten. Das habe einige Generationen übersprungen und mendle sich bei mir jetzt heraus.
Ich habe keine Angst vor den Chinesen, und Sie sollten es auch nicht haben. Weil warum? Erstens wird es den autochthonen Chinesen hoffentlich bald zu blöd, sich von diesen turbokapitalistisch agierenden Pseudo-Kommunisten weiter derart gängeln zu lassen. Bald essen sie Pommes mit Majo, statt Kommunismus mit Mao zu lesen. Zweitens wäre endlich mit dem ätzenden Rassismus und Antisemitismus aufgeräumt, wenn wir alle pro forma Chinesen würden. Drittens: Erinnern Sie sich an Hallstatt! Das wurde ja soeben per Copy&Paste-Verfahren in der Provinz Guangdong verdoppelt. So werden die Perlen unserer Kultur konserviert. Bravo!
Übrigens wäre ich den Chinesen überhaupt nicht gram, kämen sie auf die Idee, mich millimetergenau auszumessen, zu klonen und meine Kopie als erste, demokratisch gewählte Präsidentin der demokratischen Republik China einzusetzen.

Samstag, 3. März 2012

Meine Ideen zur Weltrettung

Es wird hoffentlich aufgefallen sein, dass ich hier gerne Vorschläge zur Weltrettung präsentiere. Heute im Angebot: die Aussöhnung der Generationen plus Verhinderung der Finanzapokalypse, und zwar durch familiäre Umverteilung. Klingt einfach, ist es auch. Vorausgesetzt, man verfügt über Elternteile. Vorausgesetzt, diese verfügen über Vermögen.
 
Die Aufbaugeneration hat Geld, die Aufbrauchgeneration Präsenz. Gute Ahnen wissen diese zu schätzen, gute Kinder die Besuche mit Freundlichkeit zu würzen. Zudem mahnen führende Wirtschaftsexperten, das Geld nicht unnötig zu horten, sondern die Kröten wieder in die unfreie Wildbahn zu entlassen. Sonst geht’s dem armen Kapitalismus bald nicht mehr gut.

So stelle ich mir das konkret vor: Da sich Leistung heute nicht mehr lohnt und Jungakademiker in der Arbeitswelt ohnehin nur noch gedemütigt werden, sollen Eltern einfach ein Leben lang für ihre Kinder sorgen.

Ein schrecklicher Gedanke? Aber woher denn! Meine eigenen Eltern haben sich jahrzehntelang von Luster zu Luster geschwungen, um die Teppiche zu schonen und mir so das Philosophiestudium zu finanzieren. Dafür besuche ich sie heute noch oft und gern, ich streichle ihren Hund, leere gewissenhaft ihren Kühlschrank und lobe die schönen Perser. Freilich nervt das die Altvorderen, zugleich fühlen sie sich immer noch jung, weil gebraucht. Statt in der Pension auf der Couch zu verlottern, müssen sie einkaufen und sich über faule Nachkommen ärgern. Gefühle sind wichtig, auch wenn's die falschen sind! Und ich verpritschle mein Erbe heute schon, aus Solidarität mit jenen, die einmal nichts bekommen werden.

Was die Eltern von meinen Plänen halten? Ach, Sie wissen ja: Im eigenen Zuhause gilt die Prophetin am wenigsten.