Samstag, 14. Juni 2008

Der Fußball und die üblen Pseudo-Prolos

Wenig ist öder als das ewige Anbiedern der Leistungs- und Entscheidungsträger an den proletarischen Rasenspaß. „Schaut, ich bin toootal volksnah!“, tröten die Wichtigen von den Bildern, auf denen ihr feister Fuß nach dem Ball tritt.
„Geht gefälligst Golf spielen, ihr Bonzen!“, brummt da die Arbeiterklasse. Und mit was? Mit Recht!

Auch die bürgerliche Bohème missbraucht den Fußball. Seit Friedrich Torberg die Fußball-Kastanien aus dem Feuer der intellektuellen Tabus geholt hat, wollen alle Gscheitln mitnaschen.
Dünnbeinige Philosophiestudenten und Webkünstler machen sich mit Inbrunst das schicke Retro-Adidas-Hoserl dreckig. Milieubedingte tiefe Sprüche klopfen sie mit Freude, Berechnung und ironischem Augenzwinkern.
Ihr Gekicke muss nämlich beweisen, dass das Elfenbeintürmchen eh einen Hinterausgang hat. Wer kickt, kann doch gar nicht so abgehoben und weltfremd sein. Hoffen sie zumindest. Allzu viel Volksnähe liebt der Intellektuelle dann übrigens nicht: Huch! Diese Goldketterl und Schnurrbärte!

Am allerschlimmsten aber sind Frauen, die ihre aufgesetzte Emanzipation krampfhaft durch Holzen und Bolzen zur Schau stellen müssen. Furchtbar ist das!

„Mooooment!“, fiept mich der Leser mit Erinnerungsvermögen an. „Die Alte spielt doch selbst! Und was ist diese doofe Kolumne anderes als unnötiges Gscheitln?“ Ich sag’ dazu nur eins: Mein Opa war Straßenarbeiter. Das adelt die folgenden sieben Generationen als Proletarier.

Samstag, 31. Mai 2008

Wie die Wissenschaft die Liebe verwurstet

Die Wissenschaft ist eine der pfiffigsten Erfindungen der Menschheit. Da steckt Musik drin. Neuester Heuler: die Entschlüsselung der Frau! Pfau. Erstmals wurde ihr Erbgut entziffert!

Der Erkenntnisgewinn gleicht zwar momentan noch der Lektüre eines Tellers Buchstabensuppe. Forscher können uns aber sicher bald erklären, warum wir Frauen immer nur in Rudeln wischerln gehen, warum wir lieber doofe Handtaschen statt Rucksäcke tragen und weinen, wenn sich Brad Pitt den Magen verstimmt hat.

Die Lösung und vielleicht sogar Beseitigung dieser ungünstigen weiblichen Erbgutstücke wird die Welt bewohnenswerter machen.

Und dennoch furcht Besorgnis meine Stirn. Predigte mir doch jüngst ein Älterer: „Mit dem letzten Geheimnis verschwindet auch die Liebe!“ Daraus folgt die steile Hypothese: Sobald Männer wissen, warum wir uns am Lokus einsam fühlen, warum wir unseren Kramuri in albernen Beuteln tragen und eine leicht einseitige Beziehung mit Brad Pitt führen, mögen sie uns vielleicht gar nicht mehr. Sehr schade wäre das! Wahrscheinlich käme es zu einer Bevölkerungsimplosion und allerlei Wirtschaftskrisen.

„Das Herz einer Frau, der Magen einer Sau, der Inhalt einer Wurscht bleibt auf ewig unerfurscht“ – wenn der Einstieg dieser rustikal-wissenschaftlichen Sentenz nun widerlegt ist: Was bleibt denn dann noch ein Geheimnis? Also liebenswert? Blunzen und Saumägen? I hope not, wie der Franzos’ zu sagen pflegt.

Samstag, 17. Mai 2008

Warum wir Weiber nicht kicken sollen

Auf dem Frauenfußball liegt kein Segen. Bevor jetzt Kampfschwestern das Abo kündigen und Wirtshausbrüder „Jawoi!“ grölen, einige erläuternde Worte aus leidvoller Erfahrung. Ich schreibe mit hiniger Zehe, ausgeleiertem Knie und schweren inneren Verletzungen meiner Würde.

Seit drei Jahren mache ich mich als bulliger Mittelfeldmotor des FC Rotation Winkeln zur Deppin. Verteile Bälle (über die Seitenlinie), zerstöre Spielaufbauten (leider die eigenen) und scheitere grandios noch einen Meter vor dem Tor (sogar vor dem eigenen).

Meine Mannschaft will dennoch nicht auf mich verzichten. Denn durch unabsichtliche Gewaltorgien mache ich die „Rotation“ zur Angstgegnerin. Das selten anwesende Publikum nennt mich „Königin der Blutgrätsche“. Gebrochene Schien- und Nasenbeine laufen im Linzer UKH angeblich schon unter „Morbus Meindl“.

Sie können sich vorstellen, wie unangenehm mir das im Zivilleben ist. Die Hälfte meines Budgets gebe ich für Blumen und Bonbonnieren bei Krankenbesuchen aus.

Und das alles nur, weil ich es nie gelernt habe. Ich bin ja noch im vorigen Jahrtausend erzogen worden. Da galt es als unschicklich, wenn Frauen schwitzend und ächzend über den Rasen schwarteln. Trauriges Fazit: Brutalität dank mangelnder Technik.So, und jetzt Klartext: Der Kolumnentitel ist ein Leger. Eine Schwalbe gleichsam, eine Ente (irgendwie muss ich Sie ja zum Lesen bringen). Wir Damen sollen gefälligst schon kicken. Bringt uns nur bitteschön mehr Technik bei. Den Gegnern zuliebe.

Samstag, 3. Mai 2008

Arme reiche Würste!

Reiche Kinder sind arme Würschtel. Nie adelte Not und fehlend Brot ihre Seelen. Ihre Eltern sind Ärzte, Bankfilialleiter und Installationskonzernbesitzerinnen. Aufsteigen können die höheren Söhne und Töchter nicht mehr. Ihr Weg führt in die kleinkriminelle Wohlstandsverwahrlosung oder in die Geisteswissenschaften – was ungefähr auf dasselbe hinausläuft.

Neidvoll blicken die Kinder aus gutem Hause auf die Herkünfte von Köhlerssöhnen und Holzfällerstöchtern. Die können in intellektuellen Kreisen mit ihrer biografisch bedingten Volksnähe prahlen und schillern.

Doch der Zeitgeist meint es gut mit den reichen Würschteln: Dank der Erfindung des Prekariats dürfen nun auch sie ein wenig am Hungertuch küfeln. Zur Erklärung: Das Prekariat, das sind die, die dank Vatis „Stupidium“ lange Jahre am Markt vorbeistudiert haben. In Form von Germanistinnen oder Keramikkünstlern vertreibt es sich in höchstens dezent bezahlten Anstellungsimitaten die Zeit bis zur Einführung der Grundsicherung. Das ist an sich schlecht.

Gut aber für die geschundenen, weil allzu reich beschenkten Kinderseelen: „Wir werden vom System toootal unterdrückt!“, greinen sie erleichtert. Die unfreiwilligen Arbeitsmarkt-Freibeuter proben den Zwergerlaufstand gegen die Ausbeuter und finden so endlich etwas, wofür es sich zu Mittag aufzustehen lohnt. Zur Demo gegen die neue Armut reisen sie dann mit der vom Vater ausgeliehenen Bonzenkarosse.
Apropos: Papa, mein Handy ist gesperrt. Tank mir bitte diesmal den Mercedes ganz voll, sonst reiß ich dir den Stern herunter.

Samstag, 19. April 2008

Affiges Urlauben

Heute zu Gast in der strengen Kolumnenkammer: Gutmenschen auf Urlaub. Sprich: affiges Weltbürgertum. Meine Schelte erfolgt zur Unzeit? Au contraire, denn so urlaubt der alternativ Bewegte. Im August zu reisen ist für den Individualismus-Junkie ungefähr so en vogue wie ein Stecken im Aug’.

Steuerzahlerin und kleiner Mann von der Straße ziehen erst dann gen Italien, wenn es eh zuhause auch heiß ist. Das intellektuelle Studenten-Gsindl hingegen darf sich keinesfalls am Teutonengrill in Caorle erwischen lassen. Es gleicht vielmehr seinen ersehnten Migrationshintergrund in irgendwelchen dritten Weltländern aus.
Nie geht es dabei bloß um Erholung. Der Bessermensch will sich selbst finden – wo er nichts verloren hat. Als Bonus gibt’s Durchfall-Anekdoten und Diebstahlsschnurren. Ganz zu schweigen von billig gebatikten Anlehnungen an die Landestracht. Besonders schick sind Freundschaften mit Menschen, die 49 Flugstunden weit weg wohnen.

Mit meiner ungünstigen Meinung dazu hänge ich am Rockzipfel von Glossengott Max Goldt, der solches Wollen töricht nennt. Bestmenschen mögen sich ihre Freunde doch nicht jenseits des Äquators suchen, sondern diesseits der Grätzlgrenze.
Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Ja, ich war gerade in Nepal. Im April. Und ja, ich gewande mich derzeit in quietschbunte Alternativuniformen und schicke Mails an meine 17 neuen Kumpels aus Kathmandu. Was soll jetzt diese Kolumne gewordene Schizophrenie? Nur Diavorträge aus Weitwegistan heben mich aus dem Normalosumpf in die lichte Höhe des Optimalmenschen.

Samstag, 5. April 2008

Endlich Leserbeschwerden!

Ihr wollt also härter angefasst werden?!

Endlich Leserbeschwerden! Leser R. mantariert, dass der bisher hier angeschlagene Ton einer wahren Domina unwürdig sei. Und erst die Themen: Handtaschenpalaver, Beziehungsschmus und anderer Weiberkram!

Er will lieber erfahren, wie die Herrin dieser Zeilen zum Beispiel –Hausnummer – George Clooney zu knechten gedenke. Und generell möchte er strenger angefasst werden.
Aber bitte gern, bitte gleich! Schließlich soll niemand in seinen Unterwerfungswünschen unterdrückt werden.

George Clooney also: Das dackelfaltige Kaffeemannequin würde ich im Fall des Begegnungsfalles durch „He Schurli, hast du zufällig die Nummer vom Brad?“ oder „Bitte ein Autogramm! Es ist für die Omi!“ demütigen.

Strenger anfassen möchte ich ja auch gerne. Zum Beispiel alle, die mich tageszeitunabhängig mit der Begrüßung „Hob i di eh ned aufg’weckt?!“ plagen. Oder jene, die zur Nachmittagsmitte im Stoffwechselstübchen „Mahlzeit!“ zu mir sagen.

Spitze, dass ich das harte Anfassen hier schriftlich erledigen kann. Von Angesicht zu Angesicht leide ich (noch) unter Beißhemmungen.

Samstag, 22. März 2008

Tretminen und böse Wunder zu Ostern

Ostern ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Seit der elterliche Hund beim Stammhaus die Wiese zertrümmerlt, wird die Eiersuche zum Tretminentango. Was aber wurscht (apropos) ist, weil die Eltern die Präsentkörbe ohnehin nur noch in Einmal-Umfall-Distanz rings ums Haus ablegen.

Wie kommen die bloß darauf, dass knapp 30-jährige Leibesfrüchte eine Beweise von Elternliebe mehr brauchen? Die elterliche Verantwortung endet nicht, wenn die Brut unter ersten grauen Haaren und Knorpelschäden leidet. Wort zum Ostersonntag!

Da fällt mir übrigens noch der Osterskandal ann 2005 ein. Die Nachbarssippe bekam von mir damals einen schiachen Stoffbären geschenkt. Der konnte arge, hier nicht wiederzugebende Frechheiten jodeln. Glänzende Kinderaugen, gerunzelte Mutterstirn. "Der kann eh noch nicht reden", versprach ich.
Zefix, wer konnte denn erahnen, dass sich akkurat an diesem Karsamstag ein verfrühtes Pfingstwunder ereignete und der beschenkte Analphabet zu sprechen begann? Peinlich in der Tat, dass der erste öffentliche Sprechakt genau die in einer Qualitätszeitung niemals wiederzugebende Frechheit war. Und dass er vor versammelter Innviertler Großfamilienmannschaft fiel.
So offenbarte sich an jenem Ostersonntag, dass die Richterskala der Peinlichkeit nach oben hin offen ist. Das Mutterantlitz glühte vor Scham wie ein bulgarischer Reaktor, heißt es. Die verbale Reaktion ist nicht überliefert. Ganz sicher nicht fielen die Worte "Des sogt ma ned, ned amoi zua Oma!"