Samstag, 8. März 2008

Arbeit schändet - und das ist gut so

Demut ist ein Segen für das reibungslose Miteinander der Menschenkinder. Hochmut kommt vor den Fall, so mieft es nicht nur aus den Talaren. Demütigungen sollten daher endlich einmal aus dem Schmuddeleck der zwischenmenschlichen Gepflogenheiten geholt werden.
Sag' ich nicht bloß im Walten meines Amtes als strenge Herrin dieser Zeilen.
Weil, warum? Großer Schaden wird der Welt durch große Egos zuteil. Ich sage nur "BAWAG" oder "Irakkrieg".
Nichts eignet sich besser als Arbeit, um das fürwitzige Wuchern der Ichs einzudämmen. Ein Mensch, der sich in seiner Jugend als Gartenzwerg, kellnernder Mostdipf oder Messestands-Grinsekatz verdingen musste, kann gar nicht mehr auf die schiefe Bahn einer Karriere geraten. Sonst wär' er gar nicht Gartenzwerg geworden, sondern hätte Crack vercheckt.
Eine Umfrage unter soweit gelungenen Menschen nach ihren Einstiegsjobs: DIe Jury-Assistentin der Afiesler Chorolympiade ist heute historische Betroffenheitspflegerin. Die Tischabräumerin bei einer Klingonen-Konferenz steht der lernunwilligen Jugend bei. Die Reißnagelabfüllerin macht die Menschheit durch Süßwarenverkauf glücklich.
Arbeit adelt, auch wenn es Häuslputzen ist, roch es einst aus dem Mund einer bald schon wieder arbeitslosen Kurzzeitministerin. Aber nein doch: Arbeit schändet, da haben die werkscheuen Punks schon recht.
Ich habe in früher Jugend Bierkisten durch den örtlichen Nahversorger geschleppt. Und fühle mich als Kolumnendomina nun sicher und geborgen vor Kolumnen-Unbill.

Samstag, 23. Februar 2008

Willkommen im Neurosengarten

Unsere Ängste und Sorgen werden immer alberner. An sich verdankt sich der Menschheitsbestand ja der Furcht vor Mammut, Wolf und Säbelzahn. Die Angsteinjäger werden nun mit zunehmender Zivilisierung immer kleiner: Hund, Katz, Maus, Bakterium. Seit uns die Natur meist nur noch in Form von Schlechtwetter zu nahe tritt, verwachsen sich unsere Ängste zum wunderliche Blüten treibenden Neurosengarten.
So fürchtet sich der befreundete Mitmensch: "Ich habe Angst, dass sich von meinem Ventilator eines Tages die Schutzabdeckung lösen könnte, die Rotorblätter sausen auf mich zu und enthaupten mich." "Ich habe eine Zwangsstörung bezüglich Zudrehen der Waschmaschinen-Wasserzufuhr." "Ich habe Angst, in einem fensterlosen, völlig weißen Raum eingesperrt zuwerden. Angst, dass im Schlaf die Haare verändert werden (grau, schwarz, weg). Angst davor, vom Chef verführt zu werden."
Eigene Neurose: Die Angst vorm offenen Hosentürl. Täglich verschwende ich hunderte Stunden an dessen Kontrolle. Gruselig!
Nicht vor der Sache mit dem Chef gruselt mir (Grüß Gott an dieser Stelle!), sondern vor dem Gedanken an all die durch Neurosen verschwendete Hirnkapazität.
Das muss jetzt einmal aufhören. Es gibt so viel zu erledigen! Versuchen wir es mit offener Konfrontation: Kopf in den Ventilator, in eine Schachtel stecken, rasieren. Den Chef lassen wir ungeschoren.
Ich selbst erlege mir auf, einen Tag lang mit Hosen-Toilettfehler herumzurennen und jedem, der mich darauf anspricht, "ich will das so!" entgegenzubrüllen.

Samstag, 9. Februar 2008

Berühmte letztklassige Worte

Sprache schafft und verdient Gewalt

Ein unschönes Pendant zu ersten letzten Worten („Hallihallo, ich bin der Prinz von Linz“, wir erinnern uns) sind letztklassige letzte Worte. Wer noch nie mit einem „Lass uns Freunde bleiben!“ wieder auf den freien Liebesmarkt hinauskomplimentiert wurde, mag sich als menschliches Kuriosum in ein Museum stellen.
Der verlogene Freundschaftsantrag ist ja ein verbaler Kinderfasching. Die Richterskala der bei Liebesentlassungen gesagten Unsäglichkeiten ist nach oben hin offen. „Es ist besser für uns beide.“ „Wir brauchen eine Pause.“ „Es liegt nicht an dir.“ Alt, abgedroschen, aggressionsfördernd.
Schrecklicher, aber unterhaltsamer die Ergebnisse einer kleinen Umfrage: „Du hast einen besseren als mich verdient.“ „Es war uns doch von Anfang an klar, dass es nicht lange halten wird.“ „Ich will dir nicht zu wichtig werden.“
Oft verstärkt der Kontext das Minidrama: „Wir werden in drei Monaten nicht mehr zusammensein und auch nicht in drei Wochen“, schoss einst einer die Seine in den Wind – im Beisein zahlreicher Haberer. Erfrischend empörend die Erzählung, als sich einer beim letzten Mitarbeitergespräch einen Krautstrudel bestellte und mit vollem Mund „Meine letzte Trennung war so traumatisch!“ mampfte.
Wer dieserart den Weisel bekommt, muss keine Domin(ik)a sein, um mit handgreiflichen Unmutsäußerungen zu antworten. Solche Reden rütteln am Watschenbaum.
Nun aber sollten wir eine zweiwöchige Pause einlegen. Sie haben bessere Kolumnen verdient, und ich will Ihnen nicht zu wichtig werden.

Samstag, 26. Januar 2008

Worte, die vor die Hose gehen: Kommunikation ist immer noch das beste Verhütungsmittel

So, meine Lieben, heute geht’s zur Sache: Sex.

Oder eben nicht. Denn nichts kann mehr in die Hose gehen als der verbale Versuch, sein Gegenüber zum Öffnen derselben zu motivieren. Ich belästige Sie mit Binsenweisheiten, gewiss. Warum jedoch – zefix noch einmal! – werden immer noch so viele erste Worte ausgesprochen, die sogleich die letzten bleiben? So stirbt unser Land bald aus. Dämliche Reden haben einen Pearl-Index von null: Der Welt ist noch keine einzige darauf erfolgende Befruchtung überliefert.
Soll ich zur Miseren-Illustration die Truhe meines einschlägigen Erfahrungsschatzes lüpfen?

Einst begab ich mich als unbemannte Raumsonde in mein ausgelagertes Wohnzimmer. Dort rief die Natur, ich folgte. Kurz vor Erreichen des stillen Örtchens wurde einer laut, den die Natur offensichtlich anderweitig plagte. Nach kurzem Hallihallo zerstörte er das ohnehin durch die mangelnde Lieblichkeit des Ortes kaum keimende Pflänzchen der Liebe: „He, nimmst du eigentlich Anabolika?“ Ich ließ meinem Fluchtreflex freien Lauf. Jede Frau sollte so handeln. Mehr davon? Eine Bekannte wurde einst mit „Studiast du Pädagogik oder Schönheit?“ angeplaudert. Eine andere mit „I bin da Prinz von Linz und i nimm di heit mit ham!“ Unschön.

Doch Hand aufs Herz statt Faust aufs Aug: Die verbalen Rohrkrepierer brechen im Nachbericht das Eis auf jeder Party. Also immer nur her damit! Damit Sie mir nicht vor dem Lokus auflauern müssen, bemühen Sie bitte das Internet.

Samstag, 12. Januar 2008

Das Spaßpotenzial von Geschlechtsumwandlungen: Kurzes Haar macht dickes Fell

2008 ist über uns hereingebrochen und bietet uns massig Zeit zur Veränderung. Wie wär’s etwa mit einer Geschlechtsumwandlung? Das kostet nicht viel und macht Spaß. Vorausgesetzt, Sie lassen sich nicht Ihre sekundären Geschlechtsmerkmale wegschnippeln, sondern nur das Haupthaar. Ich schreibe aus Erfahrung.
Lange Zeit trug ich mein Haar kurz. Seit kurzem ist es wieder lang. Mit kurzem Flausch können Sie sich als Frau ein dickes Fell zulegen. „Sehr geehrter Herr Meindl!“ schrieb die Leserschaft, „Burschi!“ rief der Chef, launig mit dem Auge zwinkernd. „Der junge Mann war vor mir dran“ der ältere Herr in der Brotboutique. Über Mutmaßung bezüglich meiner sexuellen Orientierung breite ich dezent den Mantel des Schweigens, aus dem nur ein „Nicht alle Frauen mit kurzen Haaren wohnen am anderen Ufer“ hervorragen soll.

Spannend jedenfalls, dass die geschlechterunsensiblen Anreden auf einen Schlag versiegten, als im vorliegenden Blatt ein aktualisiertes Langhaar-Bildnis meiner selbst erschien. Schade irgendwie.

Warum also die Rückbesinnung zur haargewordenen Weiblichkeit? Davon kündet folgender Dialog mit einem Bekannten:
Ich, launig mit dem Auge zwinkernd: Wüüst a Bier?
Er (3): Owa des is jo nu nix für Kinda!
Ich: Bist eh scho a klaana Mau.
Er: Owa nu ned so a großa wia du.

Nun, mein Fell ist also jetzt dick genug. Und ebenjenes zieh’ ich künftig all jenen über die Ohren, die mir noch einmal mit „Burschi“ kommen!

Samstag, 29. Dezember 2007

Machen Sie das weg!

Zwei Themen buhlen um den Scheinwerfer der Kolumnenpräsenz: „Was Besinnliches zum Jahreswechsel!“ krähen die Herren, „Erzähl uns mehr über unser wunderliches Handtaschenverhalten!“ gackern die Damen. Die Bühne ist groß genug, also rauf mit euch beiden, ihr Sujets!

Das alte Jahr ist noch nicht tot, aber es riecht schon ein bisschen komisch. Allerlei hat es uns beschert. Viel Unbill, aber auch so manchen Ärger. Im Neuen Jahr wird sicher alles gut. Damit die Güte eintreten kann und Platz hat, braucht es ein bisschen Ritualsbrimborium. Weg also mit dem alten Plunder! Womit auch schon die Überleitung zur Handtaschenproblematik geschafft wäre.

Wir erinnern uns: Frauen tragen in ihren Handtaschen Außenstellen ihres Unterbewusstseins mit sich herum. „Saumagen“ war das Stichwort – beziehungsweise der Hilfsausdruck für etliche von der Mutter dieser Zeilen eigenäugig inspizierte Unterbewusstseinsfilialen. Kaum zu glauben, welcher Müll sich in den tragbaren Selbst-Archiven fand. Meine Hypothese: Das Entrümpeln dieser Seelenmüllhalden zeitigt wunderbare kathartische Effekte.

Hier die Hausaufgabe: Die einzelne graue Wollsocke? Weg damit! Der Freischwimmerausweis? Raus! Dantes „Göttliche Komodie“? Auslesen! Das Radlicht als einziges Relikt der vor Monaten gestohlenen Radgesamtheit? Kommen Sie über den Verlust hinweg! Das undefinierbare Mistsediment am Boden der Handtasche? Wäh! Die Kinokarte für die „Simpsons“, die sie sich einer Sommerflamme zuliebe angesehen haben? Das Feuer ist aus, in den Ofen mit dem Ding! Und das alte Jahr? Es ist aus!
Und die Kolumne? Macht endlich Schluss.

Samstag, 15. Dezember 2007

Von Handtaschen und Saumägen - Willkommen in der strengen Kolumenkammer!

„Der Magen einer Sau,
die Handtasche einer Frau,
der Inhalt einer Wurscht,
bleiben ewig unerfurscht.“

Bevor ich Ihnen, geneigte Leserschar, den Sinn dieses programmatischen Versleins erhelle, darf ich mich Ihnen vorstellen. Zumal erhellt gehört, warum Ihnen an dieser Stelle vorübergehend nicht die Sirene etwas vorsingt, sondern ich als Domin(ik)a in die strenge Kolumnenkammer bitte, in der die metrosexuelle Perspektive auf das Leben und den ganzen Rest vorherrrscht.
Frauen und Handtaschen also: ein vielbeschriebenes Konglomerat. Männer mit Handtaschen stoßen (sich) ja eher ab. Herrenhandtaschen sind modisch jenseitig oder dienen als Hopfentee-Transportverpackung. Bierfriedigte Männer schaffen es, ihren Kram in die Hosentaschen zu stopfen.

Warum können wir Frauen das nicht? Weil wir Unmengen unnötigen Klumperts monatelang mit uns herumtragen. Persönliche Hypothese: Frauen spiegeln ihr Unterbewusstsein in ihre Handtaschen. Vulgärpsychologisch ausgedrückt: Zeig' mir deinen Handtascheninhalt, und ich sag' dir, wer du bist. So manches Unterbewusstsein erweist sich bei näherer Betrachtung als schöner Saumagen.
Damit zur Hausübung: Bis zum nächsten Mal basteln Sie Ihre eigene Hypothese! Über jene Frau, die Folgendes in ihrer Handtasche hortet: Beruhigungstropfen, Dantes "Göttliche Komödie", eine Lampe als Relikt eines längst gestohlenen Fahrrades und den Freischwimmer-Ausweis.